Alles.Nichts.Und ganz viel dazwischen

Coverfoto Alles.Nichts.Und ganz viel dazwischen
Copyright: ueberreuter

von Ava Reed
ueberreuter, 2019
gebunden, 319 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7641-7089-9
16,95 Euro

Woran ich denke? An ziemlich viel und eigentlich nichts.

Leni ist in ihrem letzten Schuljahr und steuert mit großen Schritten auf den  Abschluss zu. Mit ihrer liebevollen Familie und Ihrer verrückten Freundin Emma ist ihr Leben nahezu perfekt.

Doch dann ist sie dabei sich selbst zu verlieren: Es scheint, als würde sie von Angst gefesselt  und Stück für Stück in die Dunkelheit gezogen werden.

Lenis Kopf wird von Fragen überschwemmt und aus dem am Anfang noch kleinen Gefühl, wird plötzliche eine Sache, die Lenis ganze Welt auf dem Kopf stellt. …

Was bedeutet dieses Gefühl? Wo kommt es mit allen seinen Fragen her? Und wie soll man es erklären, dass man im Dunkeln steht, obwohl das Licht brennt? … Wird Leni einen Weg durch die Angst und Dunkelheit finden können?

Ich wünsche niemandem, perfekt zu sein. Nein, ich denke, das ist der Punkt: Du solltest aufhören, es dir zu wünschen. Und aufhören, Dinge, die andere über dich denken, über Dinge zu stellen, die andere über dich denken könnten, über die Dinge zu stellen, die du selbst von dir denkst, ganz tief in dir, hinter der Angst vor der Welt, hinter der, zu versagen, hinter der Trauer und dem Frust.

Dieses Buch ist einfach nur WOW!

Es hat mir einfach die Sprache verschlagen. Ich weiß gar nicht, wie ich diese Besprechung einigermaßen ordentlich schreiben soll, ohne fasziniert von einem Punkt auf den anderen zu springen. …😃

Allein schon das Cover! … Ich liebe es so sehr, wenn das Cover ein Buch von außen widerspiegelt. „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.“ scheint aber nicht nur das Buch widerzuspiegeln, sondern auf irgendeine Art und Weise auch die Autorin und viele andere Menschen. Das Cover erzählt nicht „nur“ eine wundervolle Geschichte, die wir im Inneren erwarten, sondern spricht vielen auch aus der Seele.

Besonders schön finde ich auch die Gläser im oberen Teil des Buches. Ich denke, dass in Ihnen Glühwürmchen (mehr dazu im Buch) gefangen sind und daher auch der grünliche Farbton kommt. Ich persönlich verbinde, wie viele andere bestimmt auch, dunkle Farben meist mit Depressionen und diese spielen nun mal keine kleine Rolle in diesem Buch. Gerade wegen solcher Themen sollte man das Buch nicht leicht nehmen, sondern sich darauf vorbereiten …

Noch viel faszinierender ist es dann aber auch wirklich im Buch. Ava Reed hat wundervolle Worte gefunden um ihre Gefühle, Gedanken und alles andere Vorstellbare zu verdeutlichen.

Ich würde schon fast sagen, dass „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.“ mehr als ein Buch ist. Es ist irgendwie alles. Von Texten in Philosophiebüchern bis zu Lebenserfahrungen ist irgendwie alles dabei. Auch die handgeschriebenen Tagebucheinträge und Zeichnungen der Autorin zeigen einfach, dass dieses Buch unfassbar besonders ist.

Ein riesengroßes Lob an die Autorin, dass sie so schöne Worte gefunden hat, über ein so ernstes Thema (bzw. so ernste Themen) zu schreiben!

Wie Ava Reed nun sagen würde:
„Leidet nicht unter Depressionen, sondern kämpft gegen sie!“

Bengisu Bor, 14 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

„ICH. KANN. NICHT. ATMEN!“

Das Abitur. Ende. Und was dann?

Diese Frage stellt sich Leni, als ihr bewusst wird, dass sie bald ihren Abschluss hat. Doch sie ist überfordert, denn sie hat keine Ahnung, was dann passieren soll. Soll sie reisen? Ein Studium? Eine Ausbildung?

Während ihr das zunächst nicht bewusst ist, beginnt die Zukunft Leni über den Kopf zu wachsen und sie gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht. Plötzliche Panikattacken, Übelkeit und weiteres führen dazu, dass Leni immer öfter allein sein möchte.

Doch keiner der Ärzte gibt ihr eine richtige Diagnose. Bis eine Ärztin die Diagnose findet und Lenis Welt noch mehr zerbricht. Sie beginnt eine Therapie und lernt dort auch Matti kennen, der ebenfalls eine Krankheit hat.

Solche Thematiken in Büchern sind so wichtig. Man kann darüber streiten, wie sie hier verarbeitet wurden (dazu gleich mehr), aber trotzdem muss ich schon jetzt jedem sagen: Lest dieses Buch und fühlt mit Leni mit. Fühlt jeden Schmerz mit.

Ava Reed konnte mich damals mit „Wir fliegen, wenn wir fallen“ überhaupt nicht überzeugen, aber dieses Buch konnte es. Die Protagonistin kann eine reale Person sein, so wie sie beschrieben wurde und könnte jeder von uns sein. Leni ist mir direkt sympathisch gewesen und auch ihre Freundin Emma. Ich konnte mit allen Charakteren mitfühlen und habe mitgelitten.

Reeds Schreibstil ist für dieses Thema sehr gut. Sie hat die Krankheiten gut dargestellt und hat versucht sie zu verarbeiten. Der Verlauf hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich den Moment, als Leni und Matti zusammen was machen (will nicht zu sehr spoilern :))etwas unrealistisch fand. Als wenn so etwas wirklich passen könnte, vor allem so schnell… Dennoch fand ich, dass Ava gut diese Momente von Leni und Matti beschrieben hat, denn auch da kann sie nie ihre Krankheit vergessen.

Wie Ava zu Beginn gesagt hatte, soll man hier keine spannungsgeladene Geschichte erwarten, denn das ist sie auf keinen Fall. Sie zieht einen mit in einen Strudel voll mit Emotionen und mir standen nicht nur einmal die Tränen in den Augen. Denn wer hatte so etwas schon nicht? Panikattacken, Prüfungsangst, … Man kann sich definitiv in Leni wiederfinden, auch wenn ihre Symptome in Kombination nicht bei jedem dasselbe ausgelöst haben.

Die Tagebucheinträge lassen die Geschichte noch persönlicher werden. Es ist, als würde man Geheimnisse von Leni lesen, die man in der Geschichte sonst nicht zu Gesicht bekommen hätte. Auch die Gestaltung dieser Tagebucheinträge hat einen beeindruckt. Wenn kleine Zeichnungen schon so viel aussagen können!

Und dann das Ende. Ava Reed weiß, wie man die Leser berühren kann. Ihr Nachwort hat mir nochmal einiges zum Denken gegeben und selbst da musste ich eine kleine Träne verdrücken, denn dieses Buch kann jeden stark machen, nicht nur Menschen mit einer Krankheit!

Trotz des ein oder anderen negativen Punktes: Lest dieses Buch. Nehmt es ernst und nehmt euch Zeit dafür. Ihr werdet es nicht bereuen. Wirklich.

Sarah Schröder, 19 Jahre

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