Für das Geheimnis bin ich zu klein

Coverfoto Für das geheimnis bin ich zu klein
Copyright: Ellermann

von Ilona Lammertink/Nynke Talsma
Ellermann, 2018
gebunden, 30 Seiten
ab 5 Jahren
ISBN978-3-7707-0052-3
15,00 Euro

Als Frank Joost abtrocknet, sagt er drohend: „Das darfst du niemandem erzählen, auch nicht deiner Mama und deinem Papa. Absolut niemandem. Dieses Spiel ist unser Geheimnis.“

Joost´s Eltern bekommen ein Baby. Sie bitten ihn, es noch niemandem zu erzählen, weil es ja doch noch einige Zeit dauert bis dahin. Er soll  dieses Geheimnis für sich behalten! Joost ist sehr stolz. Endlich ist er groß genug für ein Geheimnis der Erwachsenen. Eigentlich sogar gleich für zwei Geheimnisse, denn auch im Kindergarten gibt es ein schönes Geheimnis, was noch nicht weitererzählt werden darf.

Am Abend gehen Joost´s Eltern aus und sein Babysitter Frank soll einige Stunden auf ihn aufpassen. Joost mag den 17-jährigen Frank sehr gern und freut sich. Frank macht gerne Quatsch und albert mit Joost herum. Bevor Frank Joost ins Bett bringt, steckt er ihn noch schnell in die Badewanne. Und dann beginnt er plötzlich, Joost am ganzen Körper zu streicheln und zu küssen. Joost wehrt sich. Er will das nicht, aber Frank hört nicht auf. Und er ist gar nicht mehr lustig, denn er verbietet Joost über das „Streichelspiel“ mit seinen Eltern zu reden. Es sei ein absolutes Geheimnis. Aber dieses Geheimnis macht Joost große Angst, er fühlt sich zu klein dafür und möchte Frank am liebsten nie mehr wiedersehen. Aber wie soll er das machen? Seine Eltern bemerken, dass Joost auf einmal völlig verändert und verängstigt ist, aber sie können ihn nicht trösten. Und als sie am nächsten Tag wieder den Babysitter bestellen wollen, ist Joost plötzlich verschwunden…

Dies ist ein Bilderbuch zu einem sehr sensiblen Thema, dem sexuellen Missbrauch. Sicherlich wissen viele Eltern nicht, wie sie ihre Kinder darüber aufklären und mit ihnen sprechen sollen, ohne ihnen Angst zu machen. Dafür ist diese Geschichte eine große Hilfe, finde ich. In ganz einfachen, aber eindringlichen Worten erzählt die Autorin von Joost und seinem Babysitter Frank. Den er zuerst so sehr mochte und vor dem er später so große Angst hatte. Joosts Gefühle und Gedanken sind sehr einfühlsam beschrieben, man kann seine Angst und Verzweiflung, aber auch sein Glück, als er seine Geschichte endlich loswerden kann und Hilfe bekommt, gut nachvollziehen.

Auch die Bilder zu dieser schlimmen Geschichte sind etwas ganz Besonderes. Obwohl sie Joosts spezielle Situation gut darstellen, machen sie keine Angst. Im Gegenteil, sie ermutigen die Kinder eher, die Geschichte weiterzuverfolgen.

Am Ende des Bilderbuches mit der Geschichte für die Kinder, gibt es auch noch zwei sehr informative Seiten mit Hinweisen für die Eltern. Sie beantworten die Fragen: Was ist sexueller Missbrauch, wie erkenne ich ihn, was soll ich tun, um meinem Kind zu helfen? Auch die Telefon-Nummern von Hilfs- und Beratungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind angegeben.

Alles in allem ein wichtiges und sehr gutes Buch für Eltern und Kinder. Empfehlenswert!

Monika H.

 


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