I Am Elektra – dein Leben ist mein

Coverfoto I am Elektra
Copyright: ueberreuter

von Christian Handel,
gebunden, 375 Seiten
ueberreuter, 2021
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7641-7112-4
17,95 Euro

Als Elektra Hamilton mit stechenden Kopfschmerzen aufwacht, merkt sie schnell, dass etwas nicht stimmt. Warum befindet sie sich nicht zu Hause in der Villa der Hamiltons sondern stattdessen in ihrem Sommerhaus? Richtig Panik bekommt sie allerdings erst beim Blick in den Spiegel. Ihre Beine sind unsagbar dünn, abgemagert wie der Rest ihres Körpers. Sie ist schwach und eine wulstige Narbe zieht sich auf Höhe der Nieren über ihren Oberkörper. Das ist nicht ihr Körper! Sie befindet sich im Körper ihres Klons Kelsey, Isabels Schwester.

Isabel, von der Elektra erfahren muss, dass diese in den letzten Monaten ihr Leben übernommen hat, da Elektra selber im Koma lag. Langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen und sie versteht, dass ihr Vater ihr Bewusstsein in Kelseys Körper transplantiert hat, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein Plan ist nun, dass Isabel und Elektra wiederum die Körper tauschen, damit Elektra wieder einen gesunden, starken Körper haben kann.

Doch ein Problem stellt sich ihnen in den Weg. Kelsey lebt noch. Immer wieder kämpft ihr Bewusstsein sich an die Oberfläche, reißt die Kontrolle an sich. Und eins ist klar. Kelsey vertraut Priamos Hamilton genauso wenig wie ihre Schwester Isabel. Und auch Elektra muss sich mit der Zeit eingestehen, dass er nicht nur ihr Wohl im Sinne hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem Hektor, Isabel und Phillip alles daran setzen Elektra UND Kelsey zu retten. Denn für sie  ist eins klar: ein Klon ist ein Mensch, und Kelsey hat genauso ein Recht darauf zu leben wie Elektra. Doch wem können sie vertrauen? Wer kann ihnen helfen? Und noch viel wichtiger: auf welcher Seite steht Elektra selbst?

Dieses Buch ist eine wirklich gelungene Fortsetzung von „Becoming Elektra“. Nachdem man im ersten Band aus der Perspektive von Isabel die Handlung mitverfolgt hat, ist es nun wahnsinnig spannend, dass zumindest zum Teil aus Elektras Perspektive erzählt wird. Im ersten Teil, war es furchtbar einfach, die Hamiltons und vor allem Priamos direkt zu verurteilen, da Isabel ja wirklich keinen Grund hatte, auch nur ein positives Wort über ihn zu verlieren. Aus Elektras Perspektive ist das ganze viel komplizierter. Grade zu Beginn sieht sie in ihm ihren Vater, der sie liebt und nur das Beste für sie will. Sie vertraut ihm, muss dies aber immer weiter überdenken.

Ich persönlich fand es unglaublich interessant, diesen inneren Konflikt mitzuverfolgen. Elektra ist hin und her gerissen zwischen ihrem Bruder Hektor, der ihr ganz klar zu verstehen gibt, dass ihr Vater nur an sich selber denkt, und ihrem eigenen Bild von Priamos. Und dann ist da noch Kelsey, die im selben Körper steckt. Kann sie ihren Gedanken denn dann überhaupt trauen? Wenn sie an Priamos zweifelt, sind das dann wirklich ihre Gedanken, oder spricht da Kelseys Stimme? Wenn die Erzählperspektive dann zu Kelsey wechselt, weil sie grade die Kontrolle über den Körper hat, bekommt man wiederum einen guten Einblick in ihre Beziehung zu Isabel, wobei diese jedoch schon darunter leidet, wie sehr Isabel sich in den letzten Monaten verändert hat.

Generell hat mir die Dynamik zwischen Elektra, Isabel und Kelsey unglaublich gut gefallen. Alle drei sind auf ihre Weise sehr starke Frauen und auch ziemlich starrsinnig. Die Streitereien zwischen Isabel und Elektra, die Hektor regelmäßig in den Wahnsinn treiben, sind stellenweise ziemlich lustig und mir persönlich fiel es echt schwer, dass Buch zwischendurch auch mal aus der Hand zu legen.

 

Coverfoto Becoming Elektra
Copyright: ueberreuter

Becoming Elektra – Sie bestimmen, wer du bist
von Christian Handel
gebunden, 415 Seiten
ueberreuter, 2019
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7641-7094-3
17,95 Euro

Im Jahre 2083 lebt Isabel mit ihrer Schwester Kelsey und einem Haufen weiterer Klone im Institut. Dort werden sie in den wichtigsten Bereichen unterrichtet und vor allem in gesunder Verfassung gehalten. Das ist wichtig, denn sie dienen ihren Besitzern – ihren Originalen – quasi als eine Art lebendiges Ersatzteillager. Kelsey verlor bereits eine ihrer Nieren an ihr Original Elektra Hamilton. Ein Eingriff, den sie nie ganz überwunden hat. Als Elektra Hamilton dann einem Unfall zum Opfer fällt, haben die Hamiltons einen neuen Plan für Isabel, da diese Elektra im Gegensatz zur kränklichen Kelsey immer noch wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Sie soll das Institut verlassen, in die Villa der Hamiltons ziehen und vor den Augen der Welt ihren Platz einnehmen. Denn Elektra war verlobt und für die Hamiltons ist diese Verlobung wahnsinnig wichtig um ihre Macht zu stabilisieren. Isabel wird also kurzerhand zu Elektra. Doch wie nimmt man den Platz eines Menschen ein, den man nie kennengelernt hat. Und wem kann sie vertrauen? Es wird mehr als deutlich, dass die Hamiltons sie eigentlich gar nicht da haben wollen. Sie soll nur ihre Fassade aufrechterhalten, wobei grade Elektras Mutter ihr das Leben in der Villa täglich zur Hölle macht. Als wäre es so schon nicht schwer genug, die ganzen Lügen aufrecht zu erhalten. In Isabels Innerem tobt ein Kampf. Sie muss im kranken Spiel der Hamiltons mitspielen, um ihre Schwester zu schützen, dabei weiß sie nicht mal, wie sie selbst das alles unbeschadet überstehen soll. Sie kann nur hoffen, sich am Ende nicht selber zu verlieren, während sie in das Leben einer anderen schlüpft.

Der Gedanke, echte Menschen zu züchten, nur damit sie im medizinischen Notfällen Organe spenden können, ist unglaublich grausam und ich kann Isabels Wut auf die Hamiltons wahnsinnig gut nachvollziehen. Als sie in der Villa ankommt, ist sie völlig alleine in fremdem Territorium. Schließlich hat sie das Institut noch nie verlassen und plötzlich wird von ihr verlangt, sich in dieser Welt voller Prunk und Intrigen zurechtzufinden. Doch Isabel ist ziemlich stark und setzt alles daran, dieser Aufgabe gerecht zu werden: Für ihre Schwester würde sie alles tun und so lässt sie sich nicht unterkriegen.

Besonders gut an dieser Geschichte hat mir persönlich gefallen, wie detailreich und unterschiedlich die einzelnen Charaktere gestaltet sind. Vor allem Elektras Bruder, Hektor, hat es mir sehr angetan. Aus Magazinen kannte Isabel ihn nur als durchtriebenen Partygänger und als sie in der Hamilton Villa ankommt, macht er ihr schnell klar, wie wenig er sie da haben will. Im Laufe der Zeit wird jedoch deutlich, dass er einfach nur sehr mitgenommen von Elektras Tod ist. Es gibt eine wundervolle Szene zwischen den beiden, in denen Isabel ihm von ihrer Zeit im Institut erzählt. Sie diskutieren über die Frage, wer von ihnen als nächstes ausgeschlachtet wird und sprechen über die Angst, dass es einen selber oder einen guten Freund trifft. Und davon wie sehr Kelsey leidet.

Hektor begreift, dass Isabel es genauso schwer hat wie er und er beginnt sich ihr zu öffnen. Es hat mir unglaublich gut gefallen zu beobachten, wie Isabel so einen Vertrauten bei den Hamiltons gewinnt und wie sie mit der Zeit richtige Geschwister werden. Zusammen stellen sie sich all den Mysterien um Elektras Tod, denn es wird vermutet, dass mehr dahinter steckt, als ein einfacher Unfall. Dadurch wird die Geschichte auch noch richtig spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Ann-Kathrin Opiolka, 19 Jahre

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