Was wir dachten, was wir taten

Coverfoto Was wir dachten, was wir taten
Copyright: Beltz & Gelberg

von Lea-Lina Oppermann
Beltz  & Gelberg, 2017
Paperback, 178 Seiten
ab 13 Jahren
ISBN 978-3-407-82298-7
12,95 Euro

„Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. An diesem Tag. In diesen 143 Minuten…Kann sein, dass du schon davon gehört hast, im Fernsehen oder in den Schlagzeilen… Wenn ja, vergiss es, nichts davon ist wahr. Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. Wir waren dabei.“

Eine Lautsprecherdurchsage an einem ganz normalen Schulvormittag trifft Schüler und Lehrer bis ins Mark. „Es ist ein schwer wiegendes Sicherheitsproblem aufgetreten. Bitte bewahren Sie Ruhe! Begeben Sie sich sofort in einen geschlossenen Fachraum!“—Das heißt Amokalarm, mitten in der Mathestunde, während eines Tests. Die Tür abzuschließen und abzuwarten, was weiter passiert, ist schnell getan, aber dann jagen die Gedanken der 14 Schüler und  ihres Lehrers in alle Richtungen. Wo ist der Attentäter, wer ist es und warum gerade ihre Schule?

Als es plötzlich an der Tür klopft und ein weinendes Mädchen von draußen um Einlass bittet, steht die erste Entscheidung an. Sollen die Schüler die Tür aufschließen und möglicherweise das Leben des unbekannten Mädchens retten oder ist ihnen ihre eigene Haut wichtiger und die Tür bleibt zu?

Das ist nur die erste von vielen folgenschweren Herausforderungen, die die Klasse und ihr Lehrer, Herr Filler, bewältigen müssen…

Der Attentäter ist völlig unberechenbar, sein Motiv nicht zu erkennen und seine „wahnsinnigen“ Handlungen stellen das Leben der Klasse völlig auf den Kopf.

Nur eine kurze Zeitspanne, nämlich genau 143 Minuten,  zu beschreiben und dabei den Spannungsbogen nicht abreißen zu lassen, das ist gar nicht so leicht. Aber es ist der Autorin wirklich gut gelungen. Nach einem etwas langatmigen Start, in der die Charaktere der handelnden Personen vorgestellt werden, (die Kluge, die Schöne, die Zicke, die Magersüchtige, der Außenseiter, der Klassenclown, der Beliebte…) nimmt das Buch gehörig Fahrt auf, so dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann.

Lea-Lina Oppermann beschreibt keinen Attentäter aus dem Lehrbuch, sie stellt einen Menschen vor, der völlig verrückte Dinge fordert, die sich erst ganz am Ende zu einem Bild fügen– und damit zu einem Motiv. Das allerdings kommt ziemlich unvermittelt daher und ist (für meinen Geschmack!) nicht ganz schlüssig. Doch das ist wirklich mein einziger Kritikpunkt an dieser Atem beraubenden Geschichte, die den Leser immer wieder vor die Frage stellt: Wie würde ich in dieser Situation handeln?

Das Buch ist mit dem Hans-im Glück-Preis für Jugendliteratur ausgezeichnet worden.

Monika H.


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