Als die Stadt in Flammen stand

Coverfoto Als die Stadt in Flammen stand
Copyright: randomhouse

von Kimberly Jones und Gilly Segal
Taschenbuch, 271 Seiten
Cbt, 2021
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-31463-0
10,00 Euro

Als Campbells Mutter wegen ihres Jobs umziehen muss, verfrachtet sie Campbell kurzerhand zu deren Vater, wo sie ihr letztes Schuljahr verbringen soll. Fernab von ihren Freunden, ihrem Team und ihrem alten Leben, hofft Campbell, dieses Schuljahr einfach nur so schnell wie möglich hinter sich bringen zu können.

Lena auf der anderen Seite möchte einfach nur etwas ruhige Zeit mit ihrem geliebten Freund Black haben, der jedoch leider so gut wie immer viel zu beschäftigt ist. Eigentlich haben die beiden Mädchen nichts miteinander zu tun, doch als sich bei einem Footballspiel ihrer High-School eine Prügelei zu etwas viel Größerem, viel Gefährlicheren entwickelt, sind die beiden plötzlich aufeinander angewiesen.

Campbell wäre in dem Chaos und den ausufernden Unruhen alleine völlig verloren, dafür hat Lena kein Handy um Black anzurufen, damit er sie da raus holt. Die beiden tun sich also zusammen und versuchen gemeinsam einen Weg aus der Massenschlägerei zu finden. Als die Polizei anfängt Straßen zu sperren, wird ihnen der Weg abgeschnitten und sie müssen sich im Dunkeln durch zwielichtige Teile der Stadt begeben. Auch dort brodelt die Stimmung, Steine fliegen, Läden werden geplündert und die Unruhen breiten sich immer weiter aus. Von Black fehlt jede Spur und so langsam verlieren sowohl Campbell als auch die taffe Lena, die Hoffnung hier unverletzt rauszukommen. Aber aufgeben kommt nicht in Frage. Sie müssen die sicheren Wohnblocks erreichen und das besser früher als später. Doch haben sie in all dem Chaos überhaupt eine Chance?

Campbell und Lena könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein. Lena ist in der Stadt aufgewachsen. Sie kennt die Straßen, die einzelnen Viertel und weiß, wie man sich verhalten muss, um sicher von A nach B zu kommen. Campbell hingegen war bis jetzt so sehr darauf fokussiert, das letzte Schuljahr rum zu kriegen, dass sie sich nicht mal die Mühe gemacht hat zu versuchen, sich in der Stadt zurechtzufinden. Sie kennt ihre Schule, den Laden ihres Vaters und seine Wohnung. Das war es; sie hat keine Ahnung, wie die Stadt funktioniert und welcher Dynamik sie folgt. Während Lena schon gespürt hat, dass sich bei dem Footballspiel etwas zusammenbraut und weiß, wie schnell sowas eskalieren kann, ist Campbell völlig überrumpelt und hat keine Ahnung, wie sie sich in diesem Fall verhalten soll. Dennoch sind beide Charaktere Kämpferinnen und geben mit derselben Entschlossenheit alles, um lebend aus den Unruhen rauszukommen. Mir hat besonders gut gefallen, dass man in der Geschichte ziemlich gut die unterschiedlichen Blickwinkel einer weißen und einer schwarzen Person beobachten kann. Als die Polizei eintrifft, ist Campbell total erleichtert. Sie als Weiße hat noch nie negative Erfahrungen mit Polizisten gemacht, für sie ist die Polizei „Freund und Helfer“. Lena hingegen bekommt richtig Panik als die ersten Polizeifahrzeuge anrollen, da sie weiß wie schnell derartige Unruhen und Demonstrationen ausufern können, wenn Polizisten auf Demonstranten treffen.

Ich persönlich finde derartige Perspektivwechsel wahnsinnig wichtig, da ich das Gefühl habe, dass weiße Leser häufig wie Campbell in einer Blase der Toleranz leben. Wenn man selber und das eigene Umfeld total offen gegenüber allen Menschen ist, ist es manchmal schwer vorstellbar, dass Rassismus immer noch ein riesiges Problem ist. Natürlich sieht man immer wieder erschreckende Berichte in den Nachrichten- von Polizisten, die Schwarze niederschlagen,- aber im eigenen Alltag kann man das Ganze sehr gut verdrängen. Bücher wie dieses, sind daher enorm wichtig um weiter Bewusstsein zu schaffen für den andauernden Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung!

Ann-Kathrin Opiolka, 20 Jahre

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