Zwischen uns tausend Bilder

Coverfoto Zwischen uns tausend Bilder
Copyright: Thienemann

von Neda Alaei
aus dem Norwegischen von Stefan Pluschkat
gebunden, 223 Seiten
Thienemann, 2021
ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-20272-5
14,00 Euro

 

Seit dem Tod ihrer Mutter steht Sannas Leben Kopf. Natürlich fehlt ihre Mutter ihr, aber da ist noch so viel mehr. Ihre beste Freundin Mie ist nicht mehr ihre beste Freundin. Sie verbringt ihre Zeit jetzt lieber mit der hübschen und coolen Mitra, die neu in die Klasse kam und nach einem Jahr bereits alle um ihre Finger gewickelt hat. Nur Sanna bleibt alleine zurück.

Dazu kommt ihr Vater, der sich immer mehr in einen Zombie verwandelt. Er verlässt kaum mehr das Haus. Sanna muss sich um die Wäsche, das Essen und ums Aufräumen kümmern, da ihr Vater nur noch weint, vor sich hin starrt oder irgendwas schreibt, bei dem er nicht gestört werden will. Nicht einmal Kent, seine alte Lieblingsband kann ihn aus der Trance befreien. So sollte ihr Leben nicht aussehen, da ist Sanna sich sicher.

Doch dann findet sie eines Tages ein Päckchen im Schrank ihrer Mutter. Darin befindet sich eine Kamera, die ihre Mutter ihr vor ihrem Tod schenken wollte. Sanna soll lernen, die Welt zu sehen. Wirklich zu sehen und ihre Schönheit bewusst wahrzunehmen. Doch was soll ihr erstes Motiv werden? Irgendwie fühlt sich diese Wahl nach so einer großen, besonderen Entscheidung an, dass Sanna gar nicht weiß, wo sie anfangen soll. Yousef, der Neue in ihrer Klasse, bietet ihr seine Hilfe an und will ihr die Angst davor nehmen, einfach darauf los zu fotografieren. Langsam werden die beiden Freunde und Sanna hat endlich wieder etwas in ihrem Leben, was ihr Freude bereitet. Aber wie lange kann es zu Hause mit ihrem Vater noch gut gehen? Wie lange hält Sanna noch durch, um für sie beide zu sorgen?

Sanna hat es echt nicht leicht. Dass sie ihre Mutter verloren hat, setzt ihr ziemlich zu, aber fast noch schlimmer finde ich, wie ihr Vater sich vor ihren Augen in einen Zombie verwandelt. In dieser Trauersituation sollte ihr Vater eigentlich für sie da sein, aber stattdessen, muss sie sich um ihn kümmern. Das sollte kein Kind auf Dauer durchstehen müssen. Sanna fällt es sehr schwer, sich selber einzugestehen, dass sie Hilfe braucht. Sie ist fest davon überzeugt, alles alleine schaffen zu müssen und stößt die Menschen lieber von sich, als sich helfen zu lassen.

Stellenweise konnte ich sie dabei aber echt gut verstehen. Mie war ihre beste Freundin und hat sie einfach ersetzt. Hat sie alleine zurückgelassen, anstatt für sie da zu sein. Natürlich fällt es einem dann schwer, anderen zu vertrauen. Ich persönlich fand es sehr faszinierend diesen Kampf mit zu verfolgen. Zu sehen, wie sehr sie darum kämpft, für ihren Vater da zu sein. Wie sie versucht ihn aufzuheitern, versucht ihn mit seiner Lieblingsband wieder ins Hier und Jetzt zu holen.

Sie kämpft so verbissen, dass sie gar nicht merkt, wie schlecht es ihr selbst dabei geht. Sie nimmt stark ab, ernährt sich quasi ausschließlich von Kaffee und wird immer schwächer. Trotzdem dauert es unglaublich lange, bis sie endlich einsieht, dass sie es eben doch nicht alleine schafft.

Das alles mitzuerleben, ist auf der einen Seite ziemlich schockierend, auf der anderen Seite ist es aber auch faszinierend zu sehen, wie viel Kraft in Sanna steckt. Wie viel sie geschafft hat, wie sehr sie gekämpft hat. Und auch, dass sie am Ende gelernt hat, Hilfe zu akzeptieren, hat mich tief beeindruckt.

Sky Opiolka, 20 Jahre

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