Feuer im Kopf – Meine Zeit des Wahnsinns

Coverfoto Feuer im KOpf
Copyright: Mvg Verlag

von Susannah Cahalan
aus dem Amerikanischen von Christa Trautner-Suder
Mvgverlag, 2012
gebunden, 287 Seiten
ab 16 Jahren
ISBN 978-3-86882-467-4
17,99 Euro

Kann man über Nacht verrückt werden?

Susannah Cahalan ist eine junge, aufstrebende Journalistin– als sich ihr Leben plötzlich für immer verändert. In kürzester Zeit erkrankt sie schwer, leidet an Wahnvorstellungen und starken Stimmungsschwankungen. Nach mehreren Krampfanfällen wird sie zum Schwerstpflegefall in der Psychiatrie. Von Tag zu Tag scheint sich ihre Verfassung zu verschlechtern und die  „alte Susannah“, wie man sie früher kannte, scheint verschwunden zu sein.

Doch die Ärzte sind ratlos, haben keine Erklärung für ihren Zustand, ihre Familie aber gibt sie nicht auf. Als eines Tages der renommierte Neurologe Dr. Souhel Najjar zum Ärzteteam hinzustößt, beginnt die Familie zu hoffen. Er kann endlich eine Diagnose stellen: Susannah hat eine erst kürzlich entdeckte, sehr seltene Autoimmunkrankheit.

„Feuer im Kopf“ ist die autobiographische Schilderung der Leidensgeschichte von Susannah Cahalan, die 2009 an der seltenen Krankheit Anti-NDMA-Rezeptor-Enzephalitis erkrankt.

Ich habe zunächst die Verfilmung gesehen, die mich bereits tief berührt hat, weshalb ich unbedingt das Buch lesen wollte. Schlussendlich ist dieses noch viel eindrucksvoller als der Film.

Dadurch, dass Susannah persönlich über ihre Krankheit und ihre Situation schreibt, fühlt man sich als Teil des Ganzen und auch wenn man weiß, dass die „Geschichte“ schließlich gut ausgeht, fiebert und hofft man bis zur letzten Seite mit.

Der Schreibstil und die Erzählweise sind so fesselnd, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Susannahs Krankheitsbild ist ebenso erschreckend wie interessant. Viele ihrer Symptome weisen auf eine psychische Erkrankung hin und wenn man bedenkt, wie viele Patienten womöglich nicht die richtige Diagnose der Krankheit erhalten haben und dadurch in der Psychiatrie, im Pflegeheim oder tot sind, ist dies schwer zu akzeptieren.

Neben den Schilderungen ihrer Leidensgeschichte werden medizinische Begriffe und Vorgänge genau erklärt, wodurch man ihre Diagnose und Behandlung besser nachvollziehen kann (auch wenn die Fachsprache manchmal sehr verwirrend ist). Man lernt viel über die Krankheit und beginnt sie ansatzweise zu verstehen. Zudem realisiert man immer wieder, wie viel Glück Susannah hatte, dass Dr. Najjar sie behandelt hat. Wo komplizierte Untersuchungen nichts gebracht haben, hat ein einfacher Test (der Uhr-Test) eine Diagnose greifbar gemacht. Außerdem wurde die Krankheit erst wenige Jahre zuvor entdeckt und erforscht, wodurch Susannah erst die 217. Person mit Anti-NDMA-Rezeptor-Enzephalitis ist.

Durch ihren späteren Artikel in der New York Post und dieses Buch konnten jedoch viele Diagnosen gestellt werden, wodurch Leben gerettet werden konnten.

Da sie sich selbst an vieles aus der Zeit im Krankenhaus nicht mehr erinnern kann, war sie beim Schreiben des Buches vor allem auf die Schilderungen ihrer Familie, Freunde und Ärzte angewiesen, durch die sie den Fortschritt ihrer Krankheit rekonstruieren konnte, weshalb manche Ereignisse etwas anders stattgefunden haben könnten und womöglich weitere Aspekte nicht miteinbezogen worden sind.

Immer wieder sind Beschreibungen der Videoaufzeichnungen während ihres Krankenhausaufenthaltes Teil der Geschichte. Und auch Kopien von Tagebucheinträgen, Ärztenotizen oder der Uhr-Tests veranschaulichen ihre Erzählung.

Susannah lässt nichts aus und schildert ihre Geschichte sehr detailliert und persönlich, und man lernt sie und ihre Mitmenschen gut kennen. Es ist erschreckend, was so eine Krankheit anrichten kann, nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei ihren Familie und Freunden.

Alles in allem ist „Feuer im Kopf“ eines der besten und eindrucksvollsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe,

Mara Frohreich, 18 Jahre

 

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