Kompass ohne Norden

Coverfoto Kompass ohne Norden
Copyright: Hanser

von Neal Shusterman
aus dem Englischen von Ingo Herzke
Carl Hanser Verlag, 2018
gebunden, 337 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-446-26046-7
19,00 Euro

Der Captain war zuerst da. Noch vor der Besatzung und dem Schiff war er da und lockte damit, die endlosen Weiten der Tiefe zu befahren und erforschen. An Bord des Schiffes hat jeder seine Aufgabe, die mal mehr, mal weniger sinnvoll erscheint. Caden kann sich nicht erinnern, wann er an Bord kam und auch die Besatzungsmitglieder scheinen ihm nur vage bekannt. Der Captain scheint der Einzige zu sein, dem er vertrauen kann. Doch predigt gerade dieser, dass man niemandem vertrauen darf. Caden ist gefangen vom Bann des Captains und bemerkt nicht, wie ihn jeder Schritt an Bord weiter von seiner Familie, seinen Freunden und der Realität weg bringt. Er weiß nicht, was real ist und was nicht.

Daher weiß er auch nicht, ob die Ärzte, die ihn behandeln, überhaupt existieren, ob sie ihm helfen oder nur schaden wollen, wie der Captain prophezeit. Kann Caden die Wahnvorstellungen überwinden? Kann er sich auf die Behandlung einlassen, oder wird er auf ewig in den Tiefen des Marianengrabens verschollen bleiben?

Gerade zu Beginn ist das Buch sehr abstrakt und die einzelnen Kapitel scheinen nicht zusammenzuhängen, wodurch es mir persönlich sehr schwer fiel, interessiert bei der Sache zu bleiben. Die Themen der Kapitel wechseln zu dieser Zeit scheinbar willkürlich und man scheint permanent den roten Faden zu verlieren oder sich zu fragen, ob es überhaupt einen gibt. Das ist zwar auf der einen Seite leider sehr verwirrend und schwer nachzuvollziehen, auf der anderen Seite spiegelt es meiner Meinung nach jedoch ziemlich gut den Inhalt der Geschichte wider. Keine geistige Erkrankung gleicht der anderen. Zwei Menschen, mit exakt derselben Diagnose können komplett unterschiedliche Albträume durchleben. Durch den unzusammenhängenden Wirrwarr an Eindrücken aus den einzelnen Kapiteln der Geschichte, wird auch Cadens Sicht und sein Empfinden dargestellt. Ich denke, dass das Entwicklung einer psychischen Erkrankung für niemanden beängstigender und verwirrender ist als für den Erkrankten selbst. Es muss ein fürchterliches Gefühl sein, die Kontrolle über die Realität zu verlieren und seinen eigenen Sinnen nicht mehr trauen zu können. Die scheinbar zusammenhangslose Struktur der Kapitel verdeutlicht somit das Gefühl von Hilflosigkeit und Verwirrung.

So schwer es einem auch fallen mag, beim Lesen aufmerksam zu bleiben, ich persönlich kann nur sagen, dass es sich lohnt. Irgendwann wird Caden ein wenig klarer im Kopf, da er behandelt wird, wodurch er häufiger in der Realität und seltener an Bord des Schiffes ist und je weiter man sich dem Ende nährt, desto deutlicher merkt man, dass man genau wie Caden kurz vor der Lösung steht.  Genau da entwickelt das Buch seine ganz eigene fesselnde Wirkung, da man unbedingt dranbleiben will um herauszufinden, was es mit den einzelnen Figuren in Cadens Wahnvorstellung auf sich hat.

Das Buch wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominiert!

Ann-Kathrin Opiolka, 16 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Zu diesem Buch lässt sich inhaltlich gar nicht so viel sagen. Nur so viel: Es geht um Caden, der eigentlich das ganz normale Leben eines Teenagers führt. Bis der Kapitän in sein Leben tritt und Caden langsam nicht mehr weiß, wo die Realität beginnt und das Fantastische aufhört.

Klingt verrückt? Ist es auch! Aber genau deshalb lohnt es sich sowas von, dieses Buch zu lesen!

In diesem Buch geht es nämlich um die psychische Krankheit Schizophrenie. Caden erkrankt daran schon in jungen Jahren und es dauert einige Zeit, bis seine Eltern und Freunde merken, dass etwas nicht stimmt. Das Schlimmste daran ist, dass er selbst es nicht bemerkt, weil diese Krankheit ihm eine andere Realität vorgaukelt. Sie lässt ihn paranoid werden und an den alltäglichsten Dingen zweifeln. Und sie nimmt ihn mit auf ein Schiff. Ein Schiff, auf dem der Kapitän das Sagen hat und dessen Fahrt auf den tiefsten Grund der Erde enden wird: Im Marianengraben.

 

Meine Meinung:

Das Buch erzählt Cadens Geschichte und wie er durch die Tiefen seiner Krankheit gehen muss. Es ist einfach genial geschrieben und ich bin immer noch vollkommen begeistert, von dieser Meisterleistung des Autors. Die Art, wie er diese Geschichte erzählt, ist einfach nur toll! Ich kann dazu leider nicht mehr sagen, weil ich euch sonst den Clou der Geschichte schon verraten würde und da müsst ihr schon selbst hinter kommen!

Was mir sonst noch besonders gut gefallen hat, ist dass man sofort spürt, wie persönlich dieses Buch für Neal Shusterman ist. Es gibt ein Vorwort und noch ein abschließendes kurzes Interview, in denen er viel über sein Buch spricht und erzählt, dass es die Geschichte seines eigenen Sohnes widerspiegelt. Dass in diesem Buch so viel Herz steckt, merkt man auf jeder Seite! Ich finde es gut, dass die Geschichte nicht einfach nur so abgedruckt, sondern auch in einen Kontext gesetzt wurde. Durch die gegebenen Hintergrundinformationen versteht man die Geschichte gleich noch viel besser und mich hat sie deswegen umso mehr berührt.

Von meiner Seite gibt es deswegen eine ganz klare Leseempfehlung! Und zwar an alle! Ob jung oder alt! Meiner Meinung nach ist dieses Buch der beste Weg, sich über psychische Krankheiten und die Menschen, die unter ihnen leiden müssen, zu informieren und vielleicht ein bisschen offener ihnen gegenüber zu werden.

Carolin Wallraven, 19 Jahre

und hier kommt noch eine dritte Meinung zu diesem Buch:

Caden ist psychisch krank. In seiner Phantasie befindet er sich immer öfter auf einem Schiff auf dem Weg zum Marianengraben. In der Realität allerdings denkt er, dass ihn Leute umbringen, oder dass harmlose Gegenstände ihm etwas antuen wollen. Nicht einmal seiner Familie und seinen Freunden kann er noch trauen. Seine Eltern schicken ihn daraufhin in eine psychiatrische Anstalt, wo er mit anderen Jugendlichen gegen seine Krankheit kämpfen soll.

Das Buch ist auf zwei Ebenen geschrieben: in der Realität und auf dem Schiff in der Phantasie. Anfangs fand ich das sehr verwirrend, doch mit der Zeit hat es immer mehr Sinn ergeben. Cadens Gedanken, werden durch das Schiff perfekt repräsentiert und man kann ihn sehr gut verstehen und seine Situation nachvollziehen. Außerdem fühlt man sich, als gehöre man zu den Passagieren des Bootes. Neal Shusterman hat das Buch auf seinen eigene Erfahrungen basierend geschrieben, was das Buch sehr realistisch macht. Er hat gezeichnete Bilder seines Sohnes, (der in derselben Situation wie Caden in dem Buch war), im Buch mit abgedruckt, was ich sehr gut, aber auch ziemlich heftig fand. Die Bilder zeigen, wie der Sohn sich gefühlt hat, wodurch man nachvollziehen kann, wie es Caden geht.

Auch wenn ich auf den ersten Seiten skeptisch war, hat mich das Buch total überzeugt. Ich fand es richtig gut und es hat mich sehr berührt. Ich finde, je mehr man liest, desto besser wird es, und der Anfang macht erst Sinn, wenn man es weiter gelesen hat. Man versteht, wie Menschen mit psychischen Krankheiten sich fühlen und lernt ihre Gefühle und Gedanken besser zu verstehen.

Mara Frohreich, 16 Jahre

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