Playground

Coverfoto Playground
Copyright: Rowohlt

von Curtis „50 Cent“ Jackson III (mit Laura Moser)
aus dem Englischen von Rainer Schmidt
Rowohlt Polaris, 2012
Taschenbuch, 191 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-86252-032-9
13,95 Euro

„Ich weiß, dass Liz sich schon mit dem Schuldirektor und meiner Mom besprochen hatte und was zu dem ganzen Scheiß noch so gehörte. Sicher hatte sie im Bericht gelesen, weshalb man mich zu ihr schickte. Und wahrscheinlich musste sie nach Luft schnappen, als sie las, wie ich Maurice letzten Freitag auf dem Schulhof zusammengeschlagen hatte. Eine verklemmte Lady wie Liz… Aber ich frage mich, was sie wohl gesagt hätte, wenn ich ihr all das gesagt hätte, was nicht in dem Bericht stand. Zum Beispiel, wie ich an dem Morgen aufgewacht war und die Socke aus meiner Wäscheschublade holte und sie mit dicken Batterien füllte. Aber niemals würde ich Liz oder sonst jemandem erzählen, was an diesem Tag wirklich gelaufen war oder was meine Gründe dafür waren. Niemals.“

Der 13-jährige Burton, genannt Butterball, lebt in Garden City, einem kleinen Ort nahe New York. Er ist dick, dunkelhäutig und ziemlich unbeliebt. Als er seinen Mitschüler Maurice verprügelt, wird er kurze Zeit später von einigen seiner Mitschüler in deren Gang aufgenommen, welche jedoch in ihm nicht sehr viel mehr als einen Schläger sehen und das auch ausnutzen möchten.

Butterballs Eltern leben getrennt, sein Vater hat eine Wohnung in New York, die beiden sehen sich jedoch nur unregelmäßig. Mit seinem Vater versteht er sich relativ gut, obwohl auch dieser sich über ihn lustig macht. Sein Verhältnis zu seiner Mutter ist sehr angespannt: Butterball hat das Gefühl, sie kümmere sich zu wenig um ihn und ihre Ansichten sind sehr verschieden . Dass sie ihn gemeinsam mit dem Schuldirektor zu einer Therapeutin schickt, trägt auch nicht dazu bei, dass er und seine Mutter sich wieder annähern.

Auch seiner Therapeutin Liz öffnet Butterball sich nicht. Für ihn ist sie bloß eine „verklemmte, dumme Psychotante“. Er hält seine zwei Besuche die Woche bei ihr für unnötig und blendet ihre Versuche, ihm zu helfen oder auch nur ein bisschen über seine Hintergründe zu erfahren, so weit wie möglich aus. Doch im Laufe der Geschichte kommen sich Burton und Liz schrittweise näher und sie erfährt, weshalb er an jenem Morgen die Socke mit den Batterien mit in die Schule nahm…

50 Cents Buch ist schonungslos realistisch. Er bringt Butterballs Leben und Gefühle glaubhaft rüber und erzählt auf diese Weise eine Geschichte, die so an jeder Schule passieren könnte, wenn die Umstände es zulassen. Er selbst gibt zu, dass viel von ihm in Butterball steckt und dass „Playground“ teilweise auf Ereignissen aus seiner eigenen Kindheit und Jugend basiert.

„Playground“ ist auf Grund seiner Geschichte und des Schreibstils eines der realistischsten und besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und jedem zu empfehlen, der sich auf ein Buch mit hartem Inhalt und unverblümter Ausdrucksweise einlassen möchte.

Florian Frohreich, 14 Jahre


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