Ich kann das Meer sehen

Coverfoto ich kann das meer sehen
Copyright: Jungbrunnen

von Koos Meinderts
aus dem Niederländischen von Monika Götze
Jungbrunnen, 2017
gebunden, 136 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN978-3-7026-5917-2
14,95 Euro

Mein Vater erzählte mir, was ich schon wusste, als Erster gewusst hatte – sogar noch vor Jans Eltern. „Jan ist tot.“- „Was?!“, rief ich. „Was?!“—Zwar hatte ich Jans Sturz gesehen und wie er danach auf dem Boden gelegen hatte, aber so etwas Unwirkliches wird erst Wirklichkeit, wenn man es von einem andern erzählt bekommt.

Kees ist 16 und lebt mit seiner 10-köpfigen Familie in ärmlichen Verhältnissen. Er bessert sein Taschengeld mit einem Hilfsjob in der Gärtnerei auf, denn er will auf die Oberrealschule gehen und die Schulbücher kosten viel Geld. Jan ist das genaue Gegenteil von Kees. Sein Vater hat einen Fotoladen im Dorf und er kann sich alles leisten, was er will. Jan ist wild und folgt gern seinen spontanen Ideen, er scheint vor nichts Angst zu haben und lässt sich von niemandem in sein Leben reinreden. Was Jan wirklich denkt und fühlt, weiß nur  seine heiß geliebte Zwillingsschwester Marijke.

Obwohl Jan und Kees so verschieden sind, werden sie Freunde. Aber als Kees zufällig auch Marijke kennenlernt, verliebt er sich in sie und dieses „Geheimnis“ steht nun unausgesprochen zwischen den beiden Jungen.

Ob Jan doch etwas ahnt? Seit Kees sich verliebt hat, verändert sein Freund sich. Er will unbedingt auf einen hohen Schornstein klettern um von dort das Meer zu sehen. Und er ringt Kees den Schwur ab, ihn auf den Schornstein zu begleiten. Doch dann passiert ein Unglück, das Kees sein ganzes Leben lang nicht mehr loslässt…

Die Frage nach der Schuld zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte. Hätte Kees etwas verhindern können, wenn er mutiger gewesen wäre? Hätte er reden müssen oder macht ihn sein Schweigen zum Täter? Der Ich-Erzähler Kees ist gleichzeitig der Autor dieses Buches, Koos Meinderts. Er ringt sich mit 70 Jahren endlich dazu durch, dieses Buch zu schreiben. Um seine Schuld loszuwerden? Es scheint so.

Es ist ein sprödes Buch, das von einem harten Leben erzählt. Schonungslos, ehrlich und sehr detailliert. Das macht es für den Leser nicht immer einfach. Und obwohl man manche Dinge vielleicht gar nicht so genau wissen möchte, kann man nicht aufhören zu lesen. Bis zum unerwarteten Schluss.

Ein schwieriges Buch, das viele Fragen aufwirft und sehr nachdenklich macht.

Monika H.

 

 

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