Die Tribute von Panem: Das Lied von Vogel und Schlange

Coverfoto Die Tribute von Panem- Das Lied von Vogel und Schlange
Copyright: Oetinger

von Suzanne Collins
aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss
Oetinger, 2020
gebunden, 607 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-7891-2002-2
26,00 Euro

 

Nach dem Krieg lebt Coriolanus Snow mit seiner Großmutter und seiner Cousine im Anwesen der Snows. Nicht viel ist vom Reichtum der Familie geblieben und sie kämpfen um das Fortschreiten ihres Hauses. Zu den 10. Hungerspielen sollen 24 Schüler die Tribute begleiten und ihre Mentoren sein, um die Spieler für die Bevölkerung attraktiver zu machen. Coriolanus ist einer der Mentoren. Als er das Mädchen aus Distrikt 12 zugeteilt bekommt, ist er erst gar nicht erfreut. Doch mit der Zeit schließt er sie ins Herz und versucht alles, um sie am Leben zu erhalten. Denn auch seine Zukunft hängt von ihrem Erfolg ab …

Ich freue mich auf das Prequel von „Die Tribute von Panem“,  seit Suzanne Collins dieses angekündigt hat und konnte es kaum erwarten, das Buch endlich zu lesen. Ich bin ein riesiger Fan der Panem-Trilogie und von Suzanne Collins Romanen, weshalb mich die Nachricht eines weiteren Buches total gefreut hat, vor allem, weil ich nicht mehr damit gerechnet habe.

Das Buch handelt vom jungen Coriolanus Snow und seinen ersten Schritten an die Macht. Man lernt viel über ihn als Person, das Kapitol und die Hungerspiele, wie sie damals waren, kennen, was ich sehr spannend und interessant fand. Snow war nicht immer der skrupellose Präsident Panems, sondern auch mal ein Junge, der seinen Erwartungen gerecht werden wollte und Träume hatte. Trotzdem sind einige seiner prägnanten Charakterzüge auch damals schon ausgeprägt, wie zum Beispiel sein starker Patriotismus und Ehrgeiz. Auch wenn man ihn durch das Buch ganz anders kennenlernt, finde ich ihn nicht wirklich sympathisch. Seine Handlungen und Denkweisen erinnern schon damals an die eines Diktators und auch wenn er durchaus liebenswerte Seiten hat, mochte ich ihn nie besonders. Auch der andere Hauptcharakter des Romans, Lucy Gray, war mir meist eher unsympathisch. Genauso wie bei Coriolanus gab es Stellen, an der ich sie bewundert habe, aber doch mehrere, in denen  ich mich kein bisschen mit ihr identifizieren konnte. Im Gegensatz zu der Panem-Trilogie sympathisiere ich hier eher mit den Nebencharakteren. Tigris, die ich auch schon in „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“ sehr interessant fand, ist die Cousine von Coriolanus, und ich habe mich sehr gefreut endlich mehr über sie zu erfahren. Ich mochte sie von Anfang an und die Kapitel, in denen sie auftaucht, waren mir immer die liebsten. Auch Coriolanus Mitmentoren wie Sejanus oder Festus haben mir sehr gefallen.

In „Das Lied von Vogel und Schlange“ erfährt man viel über das Leben im Kapitol nach dem Krieg mit den Distrikten und wie stark es sich vom späteren unterscheidet. Viele Bewohner haben nur wenig Geld, große Teile des Kapitols sind zerstört und viele Menschen sind tot. Auch das schillernde und pompöse Leben der Kapitolbewohner existiert noch nicht. Die Menschen sehen so aus wie die Bewohner der Distrikte und tragen normale Kleidung. Die Stadt generell wird ziemlich normal und keineswegs so farbenfroh wie 65 Jahre später beschrieben. Die Situation dort wirkt realistischer und die Gefühle der Personen nahbarer, weil sie sich kaum vom realen Nachkriegsleben unterscheiden.

Auch die Hungerspiele sind noch komplett anders als später. Sie sind damals noch kein gefeiertes Event, in das viel Geld investiert wird, sondern erinnern eher an die Arenakämpfe bei den Römern.  Vor allem den Teil fand ich sehr interessant. Zu erfahren, wie sich die Spiele im Laufe der Jahre entwickelt haben und wie alles begann, hat mich sehr gefesselt. Dass Snow unbewusst damals schon die Spiele mit seinen innovativen Gedanken geprägt hat, fand ich wirklich spannend. Der Unterschied zwischen den 10. Und 74. Hungerspielen ist riesig, jedoch sind einige Aspekte bereits gleich oder werden im Laufe des Romans eingeführt (z.B. Sponsoren oder Mutationen). Dadurch lernt man einiges über ihre Geschichte und den Werdegang kennen.

So wie auch schon in der Panem-Trilogie, teilt Suzanne Collins das Buch in drei Abschnitte. Hierbei fand ich vor allem den ersten und zweiten Abschnitt sehr gelungen und fesselnd. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht und welche neuen Informationen über Panem ans Licht kommen. Der dritte Teil hingegen hat mich nicht ganz so überzeugt. Ich fand zwar den Einblick in das Leben der Friedenswächter und das in Distrikt 12 damals sehr spannend, allerdings hat mich die Liebesgeschichte zwischen Coriolanus und Lucy Gray teilweise gestört. Das liegt wahrscheinlich jedoch auch daran, dass ich gehofft hatte, dass Lucy Gray die Arena nicht überlebt, da ich gerne erfahren hätte, wie Snow nach ihrem Verlust weiterlebt. Außerdem fand ich es schade, dass schon wieder jemand aus Distrikt 12 gewonnen hat und nicht ein Tribut aus einem anderen Distrikt.

Im ganzen Prequel sind immer wieder Anspielungen auf die „Originalgeschichte“, was ich sehr schön fand. Kleinigkeiten erkennt man wieder, wodurch die Geschichte noch enger mit den vorherigen Büchern verknüpft ist. Coriolanus hat Kontakt mit Orten, Liedern und Symbolen, die auch in Katniss´ Leben eine Rolle spielen (z.B. der Hob, „The Hanging Tree“ oder die Spotttölpel), ohne damals zu wissen, wie bedeutsam sie für seine baldige Feindin sein werden. Das hat mir sehr gefallen.

Alles in allem hat Suzanne Collins es erneut geschafft mich mit ihrer Geschichte in den Bann zu ziehen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ihr das Prequel so gut gelingen würde, aber es hat mich voll überzeugt. Vor allem die neuen Informationen und Einblicke in ein früheres Leben in Panem haben mir sehr gefallen. Und auch wenn ich die Hauptcharaktere nicht wirklich sympathisch fand, hat es Spaß gemacht, etwas über sie zu erfahren und ihre Geschichte kennenzulernen. Ich würde jedem, dem die „Die Tribute von Panem“-Trilogie gefallen hat, empfehlen, auch das Prequel zu lesen. Es lohnt sich!

Mara Frohreich, 17 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Der 18-jährige Coriolanus Snow hat zusammen mit seinen Mitschülern die Ehre, bei den 10. Hungerspielen erstmalig als Mentor teilzunehmen. Jeder bekommt ein Mädchen oder einen Jungen aus den Distrikten 1 bis 12 zugeteilt. Zu Snows Enttäuschung bekommt ausgerechnet er, der dringend Ruhm und Geld braucht, Lucy Gray aus Distrikt 12.

Schnell bemerkt er, dass Lucy ein ganz besonderer Tribut ist, der das Herz der Zuschauer gewinnt und vielleicht sogar sein eigenes, wenn er nicht aufpasst. Hin und hergerissen zwischen seinen Gefühlen, dem Wunsch zu Überleben und nicht die Regeln zu brechen, entwickelt sich sich das Leben für ihn außerhalb der Arena so langsam in eine Richtung, die er nicht wagte vorherzusehen.

„Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ ist ein Prequel zu der bisher erschienen Die Tribute von Panem-Trilogie und spielt inhaltlich 64 Jahre früher.

Zuerst einmal ein paar Worte zu dem Protagonisten Snow: Da man schon weiß, welch ein Tyrann er später als Erwachsener sein wird, fand ich es etwas schwierig, die Geschichte durch seinen Blickwinkel zu verfolgen. Mich haben seine Ideen und Gedanken zusammen mit der obersten Spielmacherin schockiert. Doch leider ist das, genau wie einige Wendungen, nicht besonders überraschend, weswegen ich einige Dinge voraussehen konnte. Suzanne Collins schafft es trotzdem, ihn als etwas sympathisch darzustellen, damit man das Buch nicht direkt wegen ihm abbricht.

Lucy Gray ist einer der Gründe, warum mir das Buch gefällt. Ihre Persönlichkeit erinnert mich ein wenig an Katniss und trotzdem ist sie ganz anders. Sie singt für ihr Leben gern, was für einige Überraschungsmomente sorgt. Obwohl sie so ein sympathischer Charakter ist, konnte ich nicht wirklich mit ihr mitfühlen, weil sie immer etwas distanziert zum Leser wirkt und nur als Nebenfigur fungiert. So erging es mir zumindest. Deswegen hätte ich mir Kapitel gewünscht, wo man einen Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt bekommt.

Eine positive Sache über die sich alle Panem-Fans freuen dürften, sind die ganzen Andeutungen auf die Zukunft Panems und die Details bezüglich der Entwicklung, zu der sich Panem zur Zeit der 10. Hungerspiele befindet.

Insgesamt konnte mich das Prequel nicht komplett überzeugen und es ist meiner Meinung nach kein Muss für Panem-Fans. Trotzdem ist es interessant und spannend. Wenn ihr neugierig seid, lest es selbst und bildet euch eure eigene Meinung. Bestimmt wird es auch einige Fans komplett begeistern.

Sonja Schmitz, 16 Jahre

Und hier kommt noch eine dritte Meinung zu diesem Buch:

Die 10. Hungerspiele stehen in Panem an. Das Kapitol hat sich für diese Spiele etwas Besonderes ausgedacht, denn die Begeisterung der Zuschauer für die Hungerspiele lässt zu wünschen übrig. Dieses Jahr sollen die Schüler der Abschlussklasse den Tributen als Mentoren zur Seite stehen. Einer von ihnen ist Coriolanus Snow. Der Name Snow bedeutet Einfluss und Reichtum. Doch seit dem Krieg halten die Snows nur noch eine Fassade aufrecht. Sie haben alles verloren. Daher ist es Coriolanus´ Ziel, durch sein Wirken als Mentor zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Als ihm dann ausgerechnet das Mädchen aus Distrikt 12, Lucy Gray, zugeordnet wird, sieht er zunächst seine Chancen vergehen. Doch Snow landet immer oben. Und so erkämpft er sich das Ansehen und die Macht, die er seiner Meinung nach verdient. An seiner Seite ist das unbedeutende Mädchen aus Distrikt 12, dessen Leben er in der Hand hält und das ihm mehr bedeutet, als er zugeben will.

 

Meine Meinung:

Ein Tribute von Panem-Prequel. Ich war sehr gespannt auf diese Geschichte, hatte gleichzeitig aber auch Angst. Denn mal ehrlich, jeder weiß doch, dass so ein Prequel auch ganz schnell in die Hose gehen kann. Dieses hier ist aber wirklich gelungen! Ich glaube, das liegt vor allem an dem Protagonisten. Coriolanus Snow kennen wir Leser nur als den mächtigsten und arschigsten Mann Panems. Da hat es mich wirklich interessiert zu lesen, wie seine Vergangenheit war und was ihn zu dem gemacht hat, was er in der „Tribute von Panem“-Reihe ist. Die Entwicklung hat Suzanne Collins wirklich großartig dargestellt. Zwischendurch habe ich Corio tatsächlich gemocht und Mitleid mit ihm gehabt, denn viele äußere Einflüsse haben ihn verändert. Aber es hat sich auch schon seine soziopathische Veranlagung gezeigt, mit der er Menschen geschickt manipuliert. Und, dass er über Leichen gehen würde, um seine Ziele zu erreichen. Das Ende ist daher schrecklich genial. Es hat mich geschockt, ist aber gleichzeitig der einzig mögliche Ausweg gewesen, denn wir wissen nun mal, was aus dem jungen Corio geworden ist.

In der Handlung gab es immer mal wieder Anspielungen auf die Tribute von Panem-Reihe. Das war sehr schön zu lesen und hat mir direkt Lust auf ein erneutes Lesen der Reihe gemacht. Bei Tribute von Panem gerate ich immer in einen regelrechten Leserausch und so ging es mir auch mit diesem Buch. Der Schreibstil ist so fesselnd, dass ich über ein paar Längen, die die Geschichte hier und da hat, hinwegsehen konnte.

Am interessantesten ist die Entwicklung der Hungerspiele. Sie sind noch so roh und unfertig und noch längst nicht das widerwärtige Spektakel, wie wir es aus Katniss´ Zeit kennen. Aber man erfährt, dass Coriolanus maßgeblich daran beteiligt war, sie zu dem zu machen, was sie in 64 Jahren sein werden.

Alles in allem hat mir das Prequel echt gut gefallen. Zurückzukehren nach Panem hat Spaß gemacht. Der Protagonist und seine Entwicklung sind wirklich faszinierend. Und der Schreibstil macht alles zu einem spannenden, fesselnden Leseerlebnis.

 

Carolin Wallraven, 21 Jahre

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