Ellingham Academy- Was geschah mit Alice?

Coverfoto Ellingham Academy 1
Copyrigth: Loewe

von Maureen Johnson
Loewe, 2019
gebunden, 461 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7432-0206-1
18,95 Euro

Die Ellingham Academy ist eine mysteriöse Schule, die nur Schüler mit einem besonderen Talent oder einer Begabung annimmt. Als Stevie ihren Bewerbungstext, mehr als Scherz, abschickt, rechnet sie nicht damit, jemals Rückmeldung zu bekommen, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Natürlich nimmt Stevie das Angebot, was sich ihr bietet an, denn sie hat einen ganz besonderen Traum: Sie möchte das Rätsel um die Entführung der Tochter des ehemaligen Schulleiters und den grausamen Mord einer Schülerin, welcher damit in Verbindung zu stehen scheint, lösen. Doch kann sie, Stevie Bell, einfache Schülerin und Kriminal-Fan, wirklich einen so alten Fall lösen?

Erstmal zu den Dingen, die mir am Buch echt gut gefallen haben: Maureen Johnson hat wirklich einen sehr außergewöhnlichen und malerischen Schreibstil. Wie sie die märchenhafte Welt der Academy wie auf einem Gemälde einfängt ist wirklich erstaunlich und ich konnte mich unglaublich gut in die Szenerie und das Aussehen der Charaktere einfühlen. Vom Stil hat mich das ganze etwas an die frühen Harry Potter Bücher erinnert (nicht nur weil es dort ja auch eine märchenhafte Schule gibt 😉 ). Außerdem ist die Story wirklich sehr gut durchdacht und durch die Aufspaltung in Handlung damals/ Handlung heute, kann man sich das Geschehen Schritt für Schritt rekonstruieren und es wird nie langweilig.

Jetzt zum Faktor, der den Lese -Spaß für mich leider etwas gedämpft hat: Stevie. Ich konnte mich in ihren Charakter leider so gar nicht hineinversetzen und mir kamen ihre Gedanken und Kommentare manchmal schon fast nervig vor und ich wollte mich lieber wieder auf eine andere Figur konzentrieren. Es wirkt irgendwie so, als hätte man versucht, sie zwanghaft als „super schlau“ dastehen zu lassen, a la Sherlock. Leider resultiert es eher in etwas seltsamen Situationen und einer gewissen Hochnäsigkeit, die mir schon nach wenigen Seiten den Spaß an der kreativen Handlung genommen hat.

Kurzes Beispiel: Als Stevie mit ihren Eltern an der Schule eintrifft, wundert sich ihre Mutter über die „seltsamen Engel“ am Tor, woraufhin Stevie sie korrigiert, dass es sich hierbei um Sphinxen handelt. Danach interpretiert Stevie den Blick ihrer Mutter mit

„Wir haben uns eine Tochter gewünscht, die gerne ausgeht (…) und stattdessen haben wir dieses seltsame, etwas unheimliche Exemplar bekommen- gut, wir lieben es trotzdem, aber wovon redet es da bloß schon wieder?“

Das wirkt mir einfach viel zu gestellt und gezwungen, da man eigentlich annehmen kann, dass jeder in seinem Leben schon einmal von einer Sphinx oder zumindest der Sphinx gehört haben sollte. Diese Szenen häufen sich und das macht Stevies Charakter etwas anstrengend. Man hätte das Ganze etwas subtiler einarbeiten sollen und nicht den Leser quasi die ganze Zeit mit der Nase drauf stoßen lassen.

Ich hätte mir außerdem gewünscht, dass das Ende dann noch etwas abgerundeter hätte sein können. Irgendwie war ich dann doch nicht richtig drauf vorbereitet, da die Handlung relativ abrupt und direkt nach dem Finale unterbrochen wird. Das ist aber Meckern auf höchstem Niveau. 😉

Also insgesamt ein guter Krimi/ magische Superschule Roman mit klassischem Stil, aber leider einer schlecht geschriebenen Hauptfigur. Ich hatte trotzdem meinen Spaß beim Lesen und wenn man über die paar seltsamen Stellen hinweg sieht, ist es ein sehr empfehlenswertes Buch.

Imke Wellesen, 18 Jahre

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