Der Junge und der Kapitän

Coverfoto Der Junge und der Kapitän
Copyright: dtv

von Antonie Schneider
dtv, Neuauflage 2019
Taschenbuch, 92 Seiten
ab 10 Jahren
ISBN 978-3-423-62700-9
7,95 Euro

Er sah Soldaten mit Gewehren. Und sie riefen dem Jungen zu: “Hau ab!“ Und dann hörte er Schüsse am Hafen, und fremde Leute riefen: „Komm ins Boot, Junge! Hier kannst du nicht bleiben!“

Der Junge ( im Buch hat er keinen Namen, er wird immer nur „ der Junge“ genannt) lebt gefährlich. Krieg ist in seinem Land ausgebrochen, die Menschen sammeln Lebensmittel und verstecken sich. Dem Jungen ist das egal. Er läuft jeden Tag zum Hafen und schaut den Schiffen zu.

Doch eines Tages schlägt neben ihm eine Granate ein und er muss fliehen. Er springt in ein Boot zu vielen anderen ihm unbekannten Menschen und verlässt sein Land. Der Junge hat Angst, denn sein Boot ist klein und das Meer wild und gewaltig.

Ein großes Schiff nimmt die Menschen des kleinen Bootes auf und bringt sie zu einem anderen Land. Doch dort ist kein Platz für die vielen neuen Bewohner. So werden sie auf einem Schiff im Hafen untergebracht.

Der Junge gewöhnt sich an sein neues Leben, aber manchmal holen die Erinnerungen ihn ein. Dann tastet er nach dem kleinen Segelschiff in seiner Hosentasche und denkt wehmütig an seine Großmutter und sein altes Zuhause.

Mit der Zeit freundet sich der Junge mit „dem Kapitän“ an. Er ist von den Leuten auf dem Schiff zum Anführer gewählt worden und soll sich um ihre Sorgen und Wünsche kümmern.

Der Kapitän bringt dem Jungen bei Seekarten zu lesen und erzählt ihm von fernen Ländern. Als der Junge eines Tages  einen verwitterten kleinen Kahn findet, hilft der Kapitän ihm, das alte Boot wieder seetüchtig zu machen. Der Junge träumt von einer großen Reise.

Doch dann beschließen die Behörden eines Tages, dass der Junge nicht mehr beim Kapitän auf dem Schiff leben soll, sondern in ein Heim abgeschoben wird. ..

Dieses Buch ist zum ersten Mal vor 15 Jahren erschienen, unter dem Titel: Die wunderbare Reise des Jungen. Damals wusste man noch nichts von den großen Flüchtlingsströmen nach Europa. Doch dieses Buch war damals schon brandaktuell und erzählt eine Geschichte, wie sie auch heute genauso passieren könnte.

Das Cover und die Farbgebung des Buches sind sehr gelungen und passend für diesen poetischen Text.

Die Autorin schafft es, auf 88 Seiten das bewegende Schicksal eines kleinen Jungen zu erzählen, der sich mit seinen Hoffnungen und Träumen durch eine schwere Zeit rettet. Antonie Schneider erzählt mit knappen Worten, mitfühlend und gleichzeitig distanziert. Diese Distanz, (warum zum Beispiel hat der Junge keinen Namen?) hat mir persönlich nicht so gut gefallen, denn dadurch fühlte ich mich mit dem Jungen nicht so stark verbunden. Trotzdem ist mir sein Schicksal sehr ans Herz gegangen und hat mich tief berührt und nachdenklich macht.

Dieses Buch ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene oder auch als Klassenlektüre sehr empfehlenswert. Man kann es schnell und flüssig lesen und es hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Monika H.

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