Ginny Moon hat einen Plan

Coverfoto Ginny Moon hat einen Plan
Copyright: Harpercollins

von Benjamin Ludwig
aus dem Amerikanischen von Edith Beleites
HarperCollins, 2017
gebunden, 381 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN – 978-3-95967-099-9
18,00 Euro

 

„Ich suche überall, wo meine Puppe liegen könnte. Sogar in meinem Koffer. Er ist groß und schwarz und wie ein Kasten geformt. Ich ziehe ihn unter dem Bett hervor und öffne den Reißverschluss, aber meine Babypuppe liegt nicht darin. Ich hole tief Luft. Das Weinen muss aufhören.“

Dieses Buch beinhaltet eine ganz besondere Geschichte. Nämlich die von Ginny Moon. Ginny ist vierzehn Jahre alt, großer Michael Jackson – Fan und liebt Ordnung und Regeln. Das hat auch einen Grund, denn sie ist Autistin und lebt bei Pflegeeltern, die sie selbst ihre „Herzenseltern“ nennt. Mit neun Jahren wurde ihrer leiblichen Mutter das Sorgerecht aberkannt, weil sie Ginny vernachlässigt und misshandelt hat. Andere würden sich vielleicht mit Ginnys jetzigen Situation zufrieden geben, denn sie hat nun eine richtige Familie, doch sie tut das nicht. Das einzige, was sie will, ist ihre „Babypuppe“ zu finden, aber die liegt sehr wahrscheinlich noch in ihrem alten Zuhause bei ihrer leiblichen Mutter. Gegen alle Warnungen von außen gelingt es ihr, ihren ganz eigenen Plan zu entwickeln, um diese Puppe zu finden, wobei sie ihre eigene Entführung und Verfolgungsjagden mit der Polizei in Kauf nimmt…

Ginny Moon ist eine Person, die anders ist, als die meisten anderen in ihrem Alter. Sie hat ihre ganz eigene Sicht auf die Welt, nimmt alles wörtlich und ist immer ehrlich zu den anderen. Ihre Gedankengänge scheinen auf den ersten Blick sehr gewöhnungsbedürftig. Anfangs war es schwierig zu verstehen, weshalb sie unbedingt zurück zu ihrem alten Zuhause, zu dem Menschen möchte, der sie am schlechtesten von allen behandelt hat und was es mit der mysteriösen „Babypuppe“ auf sich hat. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich mehr und mehr an ihre Sichtweise auf die Dinge und lernt, Ginny und ihre eigene Welt zu verstehen.

Die Schreibweise des Autors ist sehr flüssig und authentisch, wenn auch auf den ersten Blick vielleicht etwas zu kindlich für eine Vierzehnjährige. Aber man versteht schnell, dass dieser Stil vielleicht genau richtig ist für Ginny, da sie sich eben nicht wie die anderen in ihrem Alter verhält und anders denkt. Dem Autor gelingt es sehr gut, den Leser in ihre Welt zu versetzen und ihre Geschichte sehr realistisch zu erleben. Das Buch ist so spannend, dass man manchmal denkt, man würde selbst in den handelnden Personen stecken. Außerdem ist manches sehr verschlüsselt und geheimnisvoll, denn viele wichtige Dinge werden erst Seite für Seite aufgedeckt, was es so umso spannender macht. Die Geschichte der Entführung zu lesen und deren Beweggründe nach und nach besser kennenzulernen und zu verstehen, war unheimlich fesselnd verpackt, sodass man das Buch manchmal gar nicht mehr weglegen konnte. Es passieren gerade zum Ende hin viele unerwartete sowie überraschende Dinge, die es Ginny nicht so einfach machen, ihre ganzen Pläne zu verwirklichen. So bleibt es auch für den Leser die ganze Zeit offen, wie ihre Geschichte ausgehen wird.

Das Buch zeigt auf eine packende und berührende Art und Weise die Geschichte eines jungen und mutigen Mädchens, das ihren eigenen Kopf hat, in dem sie die Dinge auf eine andere, aber wundervolle Weise sieht und dem Leser somit eine Welt öffnet, die ihn nicht mehr so schnell loslässt.

Greta Schulte, 15 Jahre

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