Romys Salon

Coverfoto: Romys Salon
Copyright: Gerstenberg

von Tamara Bos
Gerstenberg, 2018
gebunden, 176 Seiten
ab 11 Jahren
ISBN 978-3-8369-5626-0
14,95 Euro

Das  hier ist eine traurige Geschichte. Aber irgendwie auch nicht. Es ist auf jeden Fall eine schöne Geschichte. Und es ist unsere Geschichte. Die Geschichte von meiner Oma und mir.

Und so eine Oma, wie Romy sie hat, ist schon etwas ganz Besonderes. Sie stammt aus Dänemark und heißt Stine, und sie führt ganz allein einen Friseursalon in den Niederlanden. Deshalb spricht Oma Stine auch drei Sprachen, Deutsch, Niederländisch und Dänisch.

Romy mag ihre Oma nicht so sehr, denn die ist streng und nicht sehr liebevoll. Und Zeit für Romy hat sie auch nur wenig Zeit. Gut, dass sie wenigstens einen freundlichen Kater hat, Jens, mit dem Romy sich die Zeit vertreiben kann. Denn Romy muss jeden Nachmittag nach der Schule zu Oma Stine gehen. Romys Mama arbeitet nämlich an einer Tankstelle, und Romys Vater hat eine neue Freundin und wohnt in einer anderen Stadt.

Wenn Romy Glück hat, darf sie bei Oma Stine im Laden helfen, z.B. die abgeschnittenen Haare auffegen, Kaffee kochen oder Locken auf Wickler drehen. Das macht Romy sehr gern, sie träumt manchmal davon, dass sie Omas Laden übernehmen wird, wenn sie alt genug ist. „Salon Romy“ soll er dann heißen….

In der letzten Zeit darf Romy ihrer Oma öfter helfen. Denn die macht plötzlich merkwürdige Dinge. Sie vergisst die Termine ihrer Kunden, steht im Nachthemd im Laden oder geht einfach weg ohne die Tür abzuschließen. Auch mit ihrer neuen Kasse kommt sie überhaupt nicht mehr klar. Und plötzlich spricht sie auch wieder Dänisch, erzählt von ihrem Freund aus Kindheitstagen und ihrem Elternhaus am Strand, sie nennt Romy „mein Mädelchen“ und kuschelt sogar ab und zu mal mit ihr.

Romy findet das alles nicht schlimm, aber sie will auch nicht, dass jemand merkt, dass die Oma sich mehr und mehr verändert. Ihre Krankheit heißt „Demenz“. Und  man kann sie nicht heilen.  Oma Stine kann auch nicht mehr alleine leben, sie muss in ein Altenheim umsiedeln. Ohne ihren vertrauten Kater Jens, denn Tiere sind im Altenheim verboten.

Romy merkt, dass es ihrer Oma im Altenheim immer schlechter geht. Sie ist unglücklich und weint viel, und sie ist verwirrter als je zuvor. Das kann nicht so bleiben, beschließt Romy und  denkt  sich einen tollkühnen Plan aus…

Dieses Buch steckt voller Gefühle: Trauer, Wut, Mitleid, Freude, Glück und Verzweiflung wechseln sich ab, so wie es auch im wirklichen Leben ist. Romy und ihre Oma Stine stehen sich zunächst nicht sehr nahe und Romy empfindet ihre Oma eher als lästig. Doch mit der Zeit kann sie Stine immer besser verstehen, und je weniger die Oma noch denken kann, umso mehr fühlt sich Romy zu ihr hingezogen.

Tamara Bos schreibt sehr eindringlich, sehr zugewandt und auch nachdenklich, deshalb kann man Romys Gefühle auch wirklich mitfühlen und sie ist einem sehr nahe. Auch Oma Stines Verwandlung  ist eindrücklich beschrieben, sie wird nach und nach von einem „Stinkstiefel“ zu einer liebenswerten alten Dame, die in ihren Kindheitserinnerungen versinkt.

Die Autorin hat wirklich ein Händchen dafür, Stimmungen einzufangen und auch schwierige Situationen einfach und nachvollziehbar zu beschreiben. Man fühlt sich direkt in die Geschichte hineingezogen und kann sie mit (er-) leben. Das ist manchmal komisch, manchmal auch traurig, aber immer echt und wahr. Und wirklich lesenswert!

Denn obwohl ein schwieriges Thema „Demenz“ beschrieben wird, ist das Buch leicht zu lesen. Die Autorin hat einen sehr ansprechenden, flüssigen Stil.

Die Illustratorin Petra Baan hat zu dieser ganz besonderen Geschichte ein sehr stimmungsvolles Titelbild gestaltet und zu jeder neuen Kapitelüberschrift hübsche und sehr passende Vignetten entworfen.

Das Buch wird zur Zeit verfilmt und kommt 2019 in die Kinos. Tamara Bos hat auch das Drehbuch geschrieben, man darf also sehr gespannt sein.

Monika H.

Am 30. Januar 2020 startet „Romys Salon“ als Film in den deutschen Kinos: www.romyssalon.de . Auf mehreren Festivals und in den Niederlanden wurde er bereits als bester Familienfilm ausgezeichnet. 2018 erhielt er den Frankfurter Buchmesse Film Award (Best International Literary Adaptation for Children or Young Adults).

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