An Nachteule von Sternhai

Coverfoto An Nachteule von Sternhai
Copyright: Hanser

von Holly Goldberg Sloan und Meg Wolitzer
Hanser, 2019
gebunden, 292 Seiten
ab 12 Jahren
ISBN 978-3-446-26432-8
17,– Euro

Bett: Mein Dad will, dass wir Freundinnen werden. Nicht persönliche gemeint, aber das ist AUSGESCHLOSSEN.
Avery: Danke für die Vorwarnung in dieser Sache. Ich hoffe auch, dass wir uns nie persönlich begegnen.

Avery und Bett sind beide 12. Die eine lebt mit ihrem Vater in Kalifornien, die andere in New York. Die Mädchen kennen sich nicht, bis sich eines Tages ein absoluter Notfall ereignet. Da muss Bett einfach eine e-mail an ein ihr völlig unbekanntes Mädchen ( Avery) schreiben, dessen Adresse sie im Internet recherchiert hat. Denn Bett hat herausgefunden, dass  ihre Väter sich bei einem geschäftlichen Meeting ineinander verliebt haben. Das wollen die beiden allerdings erst mal geheim halten. Denn sie wollen ihre Liebe testen, auf einer gemeinsamen Reise nach China. Ihre beiden Töchter wollen sie  in dieser Zeit in ein gemeinsames Sommercamp schicken. Dort sollen sie sich kennenlernen und im besten Fall Freundinnen werden…. Soweit der Plan.

Dumm, dass Avery und Bett diesen geheimen Plan ihrer Väter schon rausbekommen haben, bevor es überhaupt losgeht.  Mit allen Mitteln versuchen sie nämlich diesen Plan zu vereiteln, aber ihre Väter lassen sich nicht umstimmen. Als dann noch Averys Mutter und ihre Großmutter aufkreuzen und kräftig in dieser Geschichte mitmischen, ist das Durcheinander vorprogrammiert. Erst eine ganz besondere Mutprobe wendet das Schicksal aller Figuren. Aber auch das passt perfekt in diesen turbulenten Familienroman.

Schon nach den ersten Seiten entwickelt das Buch eine unglaubliche Sogwirkung auf den Leser. Und das liegt an den beiden Autorinnen, Holly Goldberg Sloan und Meg Wolitzer. Sie sind auch im richtigen Leben Freundinnen, sie sind beide wunderbare Autorinnen und können sich noch total gut an ihre Jugendzeit erinnern und damit genau den richtigen Ton für diesen Roman treffen. Mal frech, mal zickig, mal provokant, mal verletzlich, mal nachdenklich, mal störrisch – so wie es im Leben von 12jährigen eben zugeht. Man leidet und liebt, wütet und kämpft mit den beiden Mädchen, die einem mit jeder Seite mehr ans Herz wachsen.

Die Autorinnen leben wie ihre Hauptfiguren Bett und Avery 3000 Kilometer voneinander entfernt, und haben diesen Roman tatsächlich nur durch hin-und her geschickte e-mails entwickelt und geschrieben, wie sie im Nachwort erzählen. Auch das macht die Geschichte so glaubhaft.

Besonders gefallen haben mir auch die beiden Pseudonyme, unter denen die beiden Mädchen sich schreiben: „Nachteule“ und „Sternhai“.  Dazu gibt es sehr hübsche kleine Zeichnungen, die immer über den jeweiligen e-mails der Mädchen auftauchen und die auch den Titel zieren, der sehr stimmig ist und perfekt zur Geschichte passt.

Für mich ist dieses Buch ein kleines Meisterwerk geworden, denn die Geschichte hat alles, was man sich wünschen kann. Liebenswerte und eigenwillige Hauptfiguren, eine völlig abgedrehte Handlung und einen Schreibstil, der sehr eingängig und  leichtfüßig zu lesen ist.

Ich möchte das Buch gern allen ans Herz legen, die außergewöhnliche Freundschaftsgeschichten mögen, hier werdet ihr voll auf eure Kosten kommen!

Monika H.

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Avery und Bett sind entsetzt, als sie erfahren dass ihre Väter ein Paar sind und sie in ein Feriencamp stecken wollen, damit sie sich anfreunden, während die beiden nach China reisen. Sie beschließen, kein Wort miteinander zu reden und nur über Emails zu klären, wie sie ihre Väter am besten auseinanderbringen können. Keine der beiden will eine Schwester und keine will, dass sich ihr Familienleben verändert. Im Camp, kommt dann letztendlich jedoch alles anders als gedacht. Die beiden freunden sich tatsächlich an und sind auf einmal völlig begeistert von der Idee Schwestern zu werden. Einige Zwischenfälle sorgen jedoch dafür, dass die beiden aus dem Camp fliegen und von da an mit Betts Oma bei Averys leiblicher Mutter unterkommen. Ihre Väter sind natürlich alles andere begeistert und wollen ihre Reise abbrechen. Doch nicht nur ihre Reise verläuft nicht nach Plan, sondern auch ihre Beziehung geht in die Brüche. Das wollen Avery und Bett natürlich nicht zulassen. Aber können sie ihre Väter wirklich wieder miteinander verkuppeln? Können sie am Ende doch eine Familie werden?

Besonders gut hat mir persönlich gefallen, dass das komplette Buch in Form von Emails und Briefen verfasst wurde. Da man nicht nur die Perspektive des Erzählers sondern sowohl Betts als auch Averys Meinungen zu den Ereignissen erfährt, ist die Geschichte sehr interessant und abwechslungsreich. Bett und Avery sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Bett ist durch und durch eine Draufgängerin und handelt oft, bevor sie denkt, was sie in die ein oder andere brenzlige Situation bringt. Avery hingegen ist ein sehr ängstliches Mädchen und geht jedem Risiko aus dem Weg. Die beiden scheinen also überhaupt nicht zueinander zu passen. Doch trotz all ihrer Unterschiede werden die beiden die besten Freundinnen. Das zeigt meiner Meinung nach, dass Freundschaften  meistens völlig unerwartet entstehen und Gegensätze sich häufig perfekt ergänzen, und mit etwas Glück findet man sogar eine ‚Schwester‘.

Die Geschichte der beiden zeigt jedoch auch, dass nicht alle Menschen wie füreinander geschaffen sind. Manchmal lernt man jemanden kennen und ist felsenfest davon überzeugt, dass man die Liebe seines Lebens gefunden hat– und dann kommt doch alles ganz anders. Während der Lektüre wünscht man sich so sehr für Avery und Bett, dass alles gut wird, aber man kann ja nicht einfach zwei Menschen zwingen sich zu lieben. Averys und Betts Verkupplungspläne durchlaufen zusätzlich eine Vielzahl an Höhen und Tiefen, sodass man bis zur Auflösung nicht sicher sagen kann, ob sie das mit ihren Dads hinkriegen oder nicht. Dadurch bleibt das Buch total spannend und man fiebert bis zum Ende mit.

Ann-Kathrin Opiolka, 17 Jahre

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