Blut und Schokolade

Copyright: Dressler

von Peer Martin
Dressler, 2021
gebunden, 477 Seiten
ab 16 Jahren
ISBN 978-3-7513-0023-0
20,00 Euro

Erst einmal eine Warnung des Autors:„Wenn du traumatisierende Erfahrungen mit emotionalem Missbrauch, körperlicher oder sexualisierter Gewalt gemacht hast, können einige Passagen in diesem Buch triggernd wirken. Wenn es dir damit nicht gut geht, sprich mit einer Person deines Vertrauens.“

Manal ist 18 Jahre alt und Aushilfe in dem LadenWegebrecht und Söhne,einer Scholokadenpralinerie in Berlin. Denn Manal ist sich zwar unsicher, was sie in Zukunft machen will, doch eins ist ihr klar: Sie liebt Schokolade!

Um sich selbst zu finden, fliegt sie nach Côte d’Ivoire, der Elfenbeinküste. Dort will sie ihren Onkel besuchen und ihre Wurzeln besser kennenlernen. Doch was sie nicht erwartet hat, ist, ihre große Liebe zu finden: Issa.

Issa arbeitet auf der benachbarten Kakaoplantage und ist blutverschmiert, als sie sich das erste Mal sehen. Denn die Kinder und Jugendlichen, die auf der Plantage arbeiten, werden wie Sklaven behandelt. Sie werden geschlagen, müssen hart arbeiten und bekommen keinen Lohn. Doch Issa ist nicht ohne Grund da: Er möchte seinen kleinen Bruder retten, der vor Jahren die Arbeit auf der Plantage begonnen hatte. Doch das ist gar nicht so einfach, denn niemand scheint ihm helfen zu wollen. Keiner will verletzt werden und die, die helfen könnten, werden gut bezahlt, um es nicht zu tun. Doch dann trifft er auf Manal und hat endlich jemanden, auf den er sich verlassen kann.

Aber wie kann Manal ihm helfen? Wie kann sie die Kinder retten, die der Brutalität der Plantagenbesitzer ausgesetzt sind?

Meine Meinung:

Was mir am meisten an dem Buch gefallen hat, ist die Tiefgründigkeit. Die Themen, die angesprochen werden, wie Rassismus und Kinderarbeit, sind sehr ernste Themen und regen zum Nachdenken an. Die Charaktere haben alle persönliche Kämpfe, die sie ausfechten müssen. Mit sich selbst oder mit anderen. Es ist ein richtig bewegendes Buch, vor allem wenn die Brutalität auf der Kakaoplantage beschrieben wird.

Den Schreibstil an sich, finde ich gut. Am Anfang brauchte ich ein wenig, um reinzukommen, doch vor allem die späteren emotionalen Szenen fand ich interessant dargestellt. Spannend war auch, dass der Autor die Szenen von Manal und ihrem Vater Pieter in der „Er/Sie/Es“-Perspektive geschrieben hat und die von Issa in der „Ich“- Perspektive. Das macht es allerdings noch um einiges bewegender, die Szenen zu erleben, in denen Issa verletzt wird.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Buch wirklich für Kinder und Jugendliche anbieten würde. Es ist zwar wirklich sehr bewegend und auch wichtig, die Jugend über solch ernste Themen zu informieren und es hat dadurch einen hohen pädagogischen Wert, aber es ist teilweise echt heftig zu lesen, was den Kindern angetan wird. Klar, regt es einen zum kritischen Nachdenken an, doch – mich zum Beispiel – verfolgt das noch mehrere Tage lang, da ich so mit den Kindern mitfühle. Wenn ich es Jugendlichen empfehlen würde, dann erst ab 16 Jahren, weil für Jüngere wäre das definitiv nach meinem Geschmack zu brutal. Vor allem weil es ja auf realen Geschichten und Orten basiert.

Behält man diesen Gedanken im Hinterkopf, finde ich auch das Cover ein wenig zu spielerisch für die heftigen Themen. Da hätte mich irgendwie ein ernsteres Cover eher angesprochen, doch natürlich ist das Motiv, das hier genommen wurde, und der Titel sonst passend.

Insgesamt finde ich das Buch echt gut, auch wenn ich es nur älteren Leser*innen empfehlen würde.

Sophie Heuschkel, 16 Jahre

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