Das JAHR, in dem ich LÜGEN LERNTE

Coverfoto Das Jahr, in dem ich lügen lernte
Copyright: Carl Hanser

von Lauren Wolk
aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Carl Hanser Verlag, 2017
gebunden, 272 Seiten
ab 12 Jahren
ISBN 978-3-446-25494-7
16,– Euro

Betty hob einen Stock auf, der am Wegrand lag. Abgestorbenes Holz, aber trotzdem schwer, das sah ich daran, wie sie ihn hielt.
„Morgen bringst du mir was mit, oder ich hau dich hiermit.“

Die 12 jährige Annabelle lebt in einem kleinen, idyllischen Dorf. Dort geht sie zusammen mit ihren Freunden zur Schule und hilft ihren Eltern auf dem Bauernhof. Ihr Leben verläuft in ruhigen Bahnen, bis eines Tages ein neues Mädchen ins Dorf zieht. Sie heißt Betty und ist zu ihren Großeltern
„abgeschoben“ worden, weil sie angeblich schwer erziehbar ist. Innerhalb kürzester Zeit mischt Betty das ganze Dorf auf, sie ist brutal und verlogen und immer nur auf ihren Vorteil bedacht.

Zuerst ist Annabelle fassungslos, noch nie hat sie einen so bösen Menschen wie Betty kennen gelernt. Betty zockt ihre Mitschüler ab, sie tötet wehrlose Tiere und verletzt Ruth, Annabelles Freundin, schwer. Es scheint ihr Freude zu bereiten, anderen weh zu tun. Und sie schafft es immer wieder, ihre schändlichen Taten Anderen in die Schuhe zu schieben. Es dauert eine Zeit, bis Annabelle Betty durchschaut und sich nicht mehr von ihr manipulieren lässt.

Aber als Betty schlimme Gerüchte über Annabelles „Freund“, den kauzigen Einzelgänger Toby, verbreitet und eine Hetzjagd auf ihn anzettelt, muss Annabelle sich entscheiden.  Sie nimmt all ihren Mut zusammen und stellt sich ihrer Widersacherin entschlossen in den Weg. Doch dann ist Betty plötzlich spurlos verschwunden….

Eine fesselnde und unter die Haut gehende Geschichte, die man kaum aus der Hand legen kann. Die Autorin schafft es, die  Charaktere von Annabelle und Betty bis in den letzten (dunklen) Winkel zu durchdringen und glaubhaft zu machen.  So fühlt man sich als Leser den Beiden sehr nah.  Man durchlebt mit ihnen traurige und entsetzliche Momente, man ist fassungslos, nachdenklich und am Boden zerstört, aber man staunt  auch immer wieder, wie unterschiedlich Menschen denken und urteilen. Dieses bewegende Buch lässt niemanden kalt und findet ein ziemlich überraschendes, wenn auch sehr passendes Ende.

Monika H.

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