Das tut weh und ist schön

Coverfoto Das tut weh und ist schön
Copyright: Jungbrunnen

von Frauke Angel
Jungbrunnen, 2020
gebunden, 172 Seiten
ab 12 Jahren
ISBN 978-3-7026-5941-7
15,00 Euro

 

Es ist soweit. Wie lange habe ich mich vor diesem Tag gefürchtet. Doch heute hat die Angst keinen Platz zwischen uns.

Ich bin hier. Ich bin bei dir Jessica. Ich und unsere ganze Familie. Carlotta weint leise. Gerlinde öffnet das Fenster. Draußen riecht es nach Frühling.

Dies ist ein ungewöhnliches Buch. In vielerlei Hinsicht. Das fängt schon beim Titelbild mit der japanischen Winkekatze an. Sie ist das Abschiedsgeschenk von Richard. An seine Mutter.  Die ihm, weil sie kaum noch sprechen kann, kurz vor ihrem Tod noch einmal liebevoll und erstaunlich kräftig den Arm drückt. „Das tut weh und ist schön“, erinnert sich Richard. So entsteht ein Buchtitel….

Die 170 Seiten sind in zwei Hälften geteilt. Zuerst erzählt Hedi ihre Geschichte. Sie lebt mit ihrem Vater, einem Spielplatzdesigner, ihrer Oma Gerlinde und ihrer schönen Mama zusammen. Die ist Kochbuchautorin, sieht aus wie eine Elfe und ist die liebste und verständnisvollste Mutter der Welt. Bis sie Brustkrebs bekommt. Da ändert sich alles.

Im zweiten Teil des Buches erzählt Richard seine Geschichte. Er ist ein paar Jahre älter als Hedi und seine Mutter liegt schon seit 3 Jahren im Krankenhaus. Auch sie leidet an Brustkrebs und sie ist „austherapiert“, das heißt, die Ärzte können nichts mehr für sie tun. Richard kümmert sich um sie und verbringt sein Leben nach der Schule im Krankenhaus.

Dort lernen sich Hedi und Richard kennen, weil ihre Mütter sich ein Zimmer auf der gleichen Station teilen. Obwohl sich jeder auf andere Art um seine Mutter sorgt, finden sie schnell das Gespräch miteinander. Und das ist mal traurig, mal lustig, mal ernst und mal voller Angst. Aber immer offen und ehrlich, keine Frage bleibt unbeantwortet. Und so schaffen sie es, einander zu trösten und aufzubauen, wenn die Erwachsenen nicht mehr wissen, was sie sagen sollen.

Die Autorin, Frauke Angel, hat dabei genau den richtigen Ton getroffen, so dass man sich sehr gut in Hedi und Richard hineinversetzen kann und mit ihnen mitfühlen kann. Obwohl beide einen anderen Erzählstil haben, was einem vom Sprung aus Hedis Geschichte in Richards Geschichte erst mal merkwürdig vorkommt, liest man sich sehr schnell ein und „ kriecht“ dann geradezu in die Seiten. Denn man will unbedingt wissen, wie es in dieser sehr berührenden Geschichte weitergeht.

Es ist beeindruckend und macht Mut, wie stark sich Hedi und Richard weiterentwickeln, und wie zupackend sie mit ihrer Situation umgehen. Jeder von ihnen ist auf seine Weise großartig und ein Vorbild.

Was mir besonders gut an diesem Buch gefällt, ist der „ leichte Ton“, mit dem diese Krankheit und ihre Folgen für die ganze Familie beschrieben wird. Es gibt kein Mitleid, kein falsches Wort. In jeder Zeile zeigt sich eine große Kraft und der enorme Wille, sich allen Herausforderungen im Leben entgegenzustellen.

Es ist ein Buch, das betroffenen Kindern Mut macht und alle anderen sensibilisiert für ein wichtiges Thema. Empfehlenswert!

Monika H.

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