Der Junge aus der letzten Reihe

Coverfoto Der Junge aus der letzten Reihe
Copyright: Atrium

von Onjali Q. Rauf
Atrium, 2020
gebunden, 288 Seiten
ab 9 Jahren
ISBN978-3-85535-630-0
15,00 Euro

 

Hast du dir schon mal vorgestellt, aus deinem Heimatland verschwinden zu müssen? Nicht, weil ihr es wollt, dein Vater eine neue Arbeit hat, oder eure Wohnung zu klein ist, sondern, weil ihr einfach müsst! Viele Menschen auf der Welt müssen das nämlich. In ihrem Land herrscht Krieg, die Menschen versuchen sich zu töten und schießen sich gegenseitig ab! Jeder, der es schafft, da herauszukommen, ist besonders.

Die Menschen verlassen ihr zu Hause und müssen mehrere 1000 Kilometer teils zu Fuß zurücklegen, um nach Europa zu kommen. So ist es auch bei Ahmet. Seit den Ferien ist der Flüchtlingsjunge bei Tom, Josie, Michael und Alexa in der Klasse. Ganz am Anfang darf er nicht in die Pause gehen und kann kein Englisch (das Buch spielt in Großbritannien) sprechen.

Es entstehen Gerüchte, dass er eventuell gefährlich sei. Alexa setzt sich in den Kopf, dass sie Ahmets Freundin sein möchte. Sie macht ihm Geschenke  um sein Vertrauen zu gewinnen. Nach einiger Zeit finden ihre Freunde Michael, Josie, Tom und sie heraus, dass Ahmet seine Familie verloren hat. Sie setzen alles daran, die Familie zu finden, denn die Grenzen sollen bald geschlossen werden, damit keine Flüchtlinge mehr nach Großbritannien kommen können. Schaffen es die Freunde irgendwie die Regierung zu stoppen? Oder müssen Tom, Josie, Alexa und Michael der Queen höchstpersönlich von Ahmet erzählen? Wenn sie nicht irgendetwas tun, dann wird Ahmet seine Familie nicht wiedersehen…

Das Buch beschreibt eindrucksvoll, was Flüchtlinge durchmachen müssen. Außerdem erzählt es, wie schwierig es für Ahmet ist, sich anzupassen und zurechtzufinden. Das heißt, die neue Sprache zu lernen und neue Freunde zu finden. Ich finde allerdings das Alter von Tom, Josie, Michael und Alexa nicht passend. Ich denke, dass sie nicht handeln, wie es normale 9- bis 10-jährige tun würden, aber das ist bestimmt Geschmackssache. Das Buch ist so geschrieben, als würde Alexa erzählen. Ihr Name wird nur einmal im gesamten Buch genannt. Ist das nicht ein bisschen wenig, wenn man bedenkt, dass Alexa die 2. Hauptrolle nach Ahmet ist? Sonst ist es ein echt schönes Buch, was Kinder ab der 3. Klasse verstehen könnten.

Annika Hauschild, 10 Jahre

 

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Früher gab es ganz hinten in meiner Klasse einen leeren Stuhl. Er war gar nichts Besonderes. Er war nur leer, weil niemand auf ihm saß. Aber dann, genau drei Wochen nach den Ferien, begann für mich und meine drei besten Freunde die aufregendste Zeit unseres bisherigen Lebens. Und alles fing mit diesem Stuhl an.

Als ein neuer Schüler in Alexas Klasse kommt, fallen ihr zuerst seine Augen auf, sie sind grau und silbrig-blau mit goldbraunen Flecken darin und sie erinnern Alexa an Löwenaugen. Er sitzt bewegungslos auf dem Stuhl neben Clarissa, hält mit beiden Händen krampfhaft seinen Rucksack fest und spricht nicht. In der Pause verschwindet er spurlos und auch nach der Schule dauert es lange, bis er schüchtern an der Hand der Lehrerin das Gebäude verlässt.

Das einzige, was die neunjährige Alexa und ihre Freunde sicher wissen, ist dass er Ahmet heißt und aus einem fernen Land kommt, aus dem er fliehen musste, weil dort Krieg herrscht. Aber das hat ihnen Mrs. Khan, ihre Lehrerin erzählt. Und sie hat die Kinder auch gebeten, Ahmet freundlich aufzunehmen, weil er Schlimmes durchgemacht hat, denn er hat auf der Flucht seine Eltern verloren.

Alexa, Josie, Michael und Tom bemühen sich sehr um Ahmet, sie schenken ihm Obst und Schokoriegel, sie nehmen ihn mit zum Fußball spielen, und sie verteidigen ihn gegen Brendan- den- Quälgeist, den schlimmsten Mobber der Schule.

So langsam fasst Ahmet Zutrauen zu seinen Mitschülern und kann sich auch immer besser mit ihnen verständigen. Er lebt jetzt bei einer Pflegefamilie, trotzdem hofft er natürlich jeden Tag, seine „verlorenen“ Eltern wiederzufinden. Tom, Josie, Michael und Alexa setzen ihren ganzen Ehrgeiz daran, ihn bei der Suche zu unterstützen.

Doch dann hört Alexa ganz zufällig, dass in zwei Wochen die Grenzen geschlossen werden sollen in England und dass keine Flüchtlinge mehr ins Land gelassen werden sollen. Und sie kombiniert messerscharf, dass dann auch keine Chance mehr für Ahmet besteht, wieder mit seinen Eltern zusammenzukommen.  Doch das kann und will Alexa nicht zulassen. Fieberhaft überlegt sie mit ihren Freunden, was sie tun können. Die Einzige, die wohl wirklich helfen kann, scheint die Queen von England zu sein. Aber die wohnt im Buckingham Palast in London. Wie sollen die Kinder dort heimlich hinkommen?

Tom und Alexa wagen das Abenteuer. Mit einer Packung Kekse und einer Handvoll Teebeutel als Geschenk für die Queen (die soll Tee und Kekse lieben!) machen sich die zwei auf den Weg und wirbeln dort erst einmal die Palastwache gehörig durcheinander….

Ich mochte das Buch von der ersten Seite an. Die Autorin hat sich super gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzt und jedem von ihnen eine ganz besondere Persönlichkeit gegeben. Tom, Josie, Michael und Alexa haben alle ihre Eigenheiten, aber sie haben auch eins gemeinsam, sie haben Mitgefühl. Und sie bemühen sich mit vollem Herzen  Ahmet willkommen in ihrem Land zu heißen und ihm den Einstieg in sein neues Leben so leicht wie möglich zu machen. Das geht nicht ohne Missverständnisse, aber die Freundschaft der Kinder überwindet alle Probleme, denn sie lassen sich nie unterkriegen.

Das ist mal traurig, mal witzig, mal spannend und mal überraschend, aber auf keiner der fast 300 Seiten langweilig. Die Autorin erzählt in leichter und einfacher Sprache, die Kapitel sind kurz und schnell zu lesen und die vielen hübschen Schwarz-weiß-Zeichnungen geben der Geschichte noch einen besonderen Pfiff.

Es ist eine Geschichte, die um Verständnis für Frieden, Freundschaft  und Liebe wirbt—und die Autorin, weiß wovon sie spricht. Sie engagiert sich für Flüchtlinge und Menschenrechte und um bessere und gerechtere Lebensumstände für Kinder in aller Welt. Für ihren ersten Kinderroman bekam sie gleich mehrere Preise und das völlig zu Recht. Denn es macht große Freude, diese Geschichte zu lesen, nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen!

Monika H.

 

 

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