Die Farben des Blutes 3: Goldener Käfig

Coverfoto Goldener Käfig
Copyright: Carlsen

von Victoria Aveyard
aus dem Englischen von Birgit Schmitz
Carlsen, 2017
Gebunden, 639 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-551-58328-4
23,99 Euro

Achtung! Hierbei handelt es sich um den dritten Teil. Ich kann euch nur empfehlen, vorher den ersten und zweiten Band auch zu lesen! Der Krieg um die Farben des Blutes geht weiter:

Mare, die Blitzwerferin und Rebellin der Scharlachroten Garde, hat mit dem silbernen König Maven einen Handel abgeschlossen: Sie gibt sich selbst gegen die Leben derer, die sie liebt. Nun ist sie seine Gefangene in einem goldenen Käfig.

„Ich bin nie allein. Die Wärter gehen nicht weg. Sie sind immer zu zweit, behalten mich immer im Blick und unterdrücken das, was mich ausmacht, ununterbrochen. Eine verschlossene Tür, mehr brauchen sie nicht, um mich zu einer Gefangenen zu machen. Nicht, dass ich mich dieser Tür je auch nur ansatzweise nähern könnte, ohne grob in die Mitte meines Schlafgemachs zurückgestoßen zu werden. Sie sind stärker als ich und unendlich wachsam.“

Ihre Blitze wurden ihr genommen und nun muss sie Mavens Schoßhündchen spielen und sie wird für seine Zwecke und Intrigen eingespannt und manipuliert. Sein Ziel ist natürlich, die Scharlachrote Garde zu Fall zu bringen. Doch diese ist besser organisiert als je zuvor und kämpft für die Freiheit der Roten und der Neublüter. Mare gibt die Hoffnung nicht auf und glaubt an eine Rettung durch die Garde und ihren Prinzen Cal. Der verbannte Bruder des Königs hat noch immer silberne Adlige, die ihm folgen und ihn unterstützen möchten. Und so sieht Maven sich von mehreren Seiten bedroht, sodass er nur immer weitere Lügen erzählt, fadenscheinige und unglaubliche Bündnisse schließt und all seine Wut und Hass-Liebe an Mare auslässt. Wie lange wird sie dem psychischen Druck und der Unterdrücker-Fähigkeit ihrer Wächter standhalten können?

Meine Meinung:

Ich muss sagen, dass mir der dritte Teil lange nicht so gut gefallen hat wie die ersten beiden. Die 100 Seiten, die dieser Band jetzt mehr hatte als jeweils die anderen beiden, hätten meiner Meinung nach auch weggelassen werden können. Die erste Hälfte wird total in die Länge gezogen. Mares Gefangenschaft ist natürlich sehr eintönig und das ist auch nicht schlimm. Mir hat nicht gefallen, dass sich so viel immer um das Gleiche gedreht hat und dass sich gewisse Muster eigentlich immer wiederholt haben. Sie hasst Maven, er tut irgendwas und sie hasst ihn noch mehr oder ist verwirrt, weil sie ihn gerne hassen würde, er aber immer noch Gefühle in ihr weckt. Davon hätte man ruhig ein bisschen was weglassen können.

Aber genug von der negativen Kritik! Das Buch hat auch einiges Positives an sich. Die Geschichte nimmt nämlich ab der Hälfte des Buches an Geschwindigkeit und Spannung zu und plötzlich passiert alles Schlag auf Schlag und dann… ist es schon wieder vorbei. Und jetzt finde ich es schade, dass es schon zu Ende ist und ich warte sehnsüchtig auf den nächsten Band.

In diesem Teil ist mir jetzt zum ersten Mal der Schreibstil negativ aufgefallen. Die Sätze waren teilweise zu lang und waren wegen einer merkwürdigen Satzstellung schwierig zu lesen, sodass mein Lesefluss unterbrochen wurde. Das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen, aber es war trotzdem störend.

Zu den Charakteren muss ich sagen, dass mir Mare aus gegebenen Gründen am Anfang ziemlich auf die Nerven gegangen ist. Dafür gibt es andere Charaktere, aus deren Sicht einige Kapitel geschrieben sind, die gerade den Anfang sehr abwechslungsreich machen und die mir auch vom Charakter her besser gefallen als Mare.

Also ich rate euch, das Buch trotz allem zu lesen! Über die Längen am Anfang sieht man zum Schluss dann doch noch hinweg, weil es schön actionreich wird. Und auch der Schreibstil und Mares Charakterschwächen können das Gesamtbild nicht mehr allzu sehr trüben.

Carolin Wallraven, 19 Jahre

Und kommt noch zweite Meinung zu diesem Buch:

Ich frage mich, ob er meine Veränderung bemerkte. Mein Unwohlsein, den Schmerz, die Qual, die ich in meinem stillen Gefängnis erleide. Es muss ihm auffallen. Sein Blick gleitet über meine deutlich hervortretenden Wangenknochen, mein Halsband und das weiße Kleid, in das sie mich immer zwängen. Diesmal habe ich keine blutigen Stellen, aber ich wünschte, ich hätte sie. Um allen zu zeigen, was ich bin, was ich schon immer war. Rot. Verwundet. Aber lebendig.

Der letzte Band endet spektakulär: Mare wird von Maven gefangen genommen und in der Öffentlichkeit gedemütigt. Im dritten Band ist sie noch immer in der Gewalt des brutalen Königs. Mavens Gefühle sind weitestgehend verschwunden, doch zu ihr scheint er noch eine Verbindung zu haben, an die er sich klammert. Doch Mare wehrt sich mit allen Mitteln, was ihren Zustand nicht unbedingt verbessert. Cal und ihre restlichen Freunde versuchen unterdessen sie zu befreien, aber auch gleichzeitig, die Ziele der Scharlachroten Garde zu erreichen. Das Land befindet sich im Umschwung. Man weiß nicht mehr, wer Freund und Feind ist und wem man trauen kann.

Die Autorin hat sich von Buch zu Buch mehr Zeit für die Geschichte und die Entwicklung der Figuren genommen. Deshalb ist der dritte Band auch mit 649 Seiten der bisher längste. Doch diesmal ist es kein Vorteil. Die Geschichte zieht sich hin. Man möchte am liebsten alle Figuren einmal durchschütteln und sie endlich zum Handeln und Vorantreiben der Handlung bringen. Mare zeichnet sich vor allem mit einem Gefühl aus: Selbstmitleid. Und das bedingt auch ihre Handlungsunfähigkeit. Es werden gut die psychischen und physischen Qualen beschrieben, die sie während ihrer Gefangenschaft durchleiden muss und das Trauma wird langsam und gut ausgebaut. An einigen Stellen scheint sie von ihren Fehlern aus der Vergangenheit gelernt zu haben, doch dann verfällt sie wieder in alte Muster. Dafür werden die anderen Figuren wie Cal oder Cameron den Lesern immer sympathischer und komplexer. Wer die ersten zwei Bände nicht gelesen hat, wird sich in diesem nicht zurechtfinden und viele Sachen nicht verstehen können. Man merkt, dass die Autorin auf ein Finale hin arbeitet. Das Königreich und die umliegenden Länder nehmen immer mehr Gestalt an und weitere Lösungs- und Problemwege werden aufgezeigt. Auch wenn die Handlung diesmal nicht ganz überzeugt, hat man am Ende wieder den Drang, das nächste Buch in den Händen zu halten. Und das zeigt, dass die Geschichte noch immer besonders ist. Ich bin auf jeden Fall, auf den weiteren Verlauf und die Entwicklungen von Mare und Cal gespannt.

Maike Grabow, 20 Jahre

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