Hundert Stunden Nacht

Coverfoto Hundert Stunden Nacht
Copyright: Carlsen

von Anna Woltz
aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Carlsen, 2017
gebunden, 253 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3551583482
15,99 Euro

 

In dem Buch ,, Hundert Stunden Nacht„ geht es um Emilia, die „die Schnauze voll von ihrem Vater hat„ und einfach nur weg will. Weit weg. Deshalb entschließt sie sich dazu, mit seiner Kreditkarte, die sie ihm geklaut hat, eine Reise nach New York zu buchen. Allerdings läuft nicht alles nach Plan…

Zunächst stellt sich heraus, dass das Appartement, was sie im Internet gebucht hat, gar nicht frei ist. Es gehört Seth und seiner Familie. Stattdessen muss sie die erste Nacht bei einem Jungen namens Jim verbringen. Am nächsten Morgen läuft sie Seth wieder über den Weg, der sich zusammen mit seiner Schwester dazu entschlossen hat, Emilia bei sich aufzunehmen. Unglücklicherweise kündigt sich schon wenige Stunden danach ein schlimmer Orkan an.

Als sie dann auch noch Jim bei sich aufnehmen müssen, stellt das die Nerven aller auf die Probe, denn mehrere Tage ohne Strom und Wasser auszukommen ist gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Insbesondere deswegen, weil Emilia eine nervige Eigenart hat.

Dieses fesselnde  Buch ist aus der Sicht von Emilia geschrieben, die mir besonders wegen ihres Muts gefallen hat. Außerdem finde ich faszinierend, wie stark die vier Jugendlichen im Laufe des Buches „aneinanderwachsen„ und lernen miteinander auszukommen.

Eine schöne, spannende Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden. Vor allem interessant für Teenager.

Sonja Schmitz, 14 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Und da stehe ich dann. Meine Stiefel auf den flachen grauen Gehwegplatten von New York. Die anderen Leute wissen, wo sie hinmüssen. Blitzschnell verschwinden sie mit ihren Koffern außer Sichtweite.

Ganz allein bleibe ich auf einem Gehweg zurück, der so breit ist wie in den Niederlanden die Straßen. Um mich herum thronen gigantische Gebäude. Ich lege den Kopf in den Nacken und schaue zu ihnen rauf.

Ein paar Straßen weiter schimmert ein goldener Wolkenkratzer, der aussieht wie der Turm einer Märchenkirche. Adlerköpfe ragen aus dem metallenen Gebäude in den Himmel. Ich schaue hin und bin verliebt.

Die vierzehnjährige Emilia ist nun endlich in der Stadt ihrer Träume: New York. Aber alles ist anders als gedacht. Statt in den Urlaub zu fahren, ist sie von ihrem Zuhause in den Niederlanden abgehauen und nach New York gereist, ihre Appartementbuchung erweist sich als Betrug, sie hat Angst vor Bakterien und zu allem Übel rückt auch noch der Sturm Sandy näher. Durch Zufall lernt sie den gleichaltrigen Seth, seine kleine Schwester Abby und den siebzehnjährigen Jim, der aussieht wie ein Filmstar, kennen. Gemeinsam gründen sie das „Orkanasyl“ und versuchen, gemeinsam den Sturm zu überleben.

Die Autorin Anna Woltz schafft es, eine berührende Geschichte um vier ganz verschiedene Figuren aufzubauen. Es geht um Freundschaft, das Erwachsenwerden, das Bewältigen einer Extremsituation, die Stadt New York und um die einzelnen Probleme, die jede Figur hat. Jeder Charakter wird dabei so gut beschrieben, dass man ihn sich lebhaft vorstellen kann. Zum Beispiel macht sich Seth immer zu viele Sorgen um Abby, weil er sich nach dem Tod ihres Vaters für sie verantwortlich fühlt. Zeitlich jedoch will er den Umständen, unter denen sein Vater gestorben ist, nicht weiter auf den Grund gehen und weicht den Fragen seiner Freunde und seiner kleinen Schwester aus. Man merkt, dass auch er den Tod noch nicht ganz überwunden hat. Durch seine Sorgen kümmert er sich auch zu wenig um sich selbst. Diese Probleme werden nach und nach im Buch entschlüsselt und auch wenn es am Ende keine Heilung gibt (das wäre auch etwas zu plötzlich), so merkt man, dass auch er sich durch die Ereignisse während des Sturms verändert hat.

Die Handlung wird kompakt auf nur 256 Seiten geschildert, weshalb man einen angenehmen Lesefluss hat und die Geschichte nie langweilig wird. Leider hat das Buch einige Logikfehler und manchmal wird das gleiche Gefühl der Ich-Erzählerin Emilia auf jeder Seite wiederholt, was etwas anstrengend ist. Ansonsten lohnt sich das spannende Buch und ist für alle geeignet, die mal etwas fernab von Fantasy, Liebe oder Krimi lesen wollen.

Maike Grabow, 23 Jahre

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