was von mir bleibt

Coverfoto was von mir bleibt
Copyright: Carlsen

von Lara Avery
aus dem Englischen von Nadine Püschel
Carlsen, 2017
gebunden, 398 Seiten
ab 16 Jahren
ISBN:978-3-551-58373-4
19,99 Euro

Mrs. T.: Warum brauchst du mehr Zeit?
Ich: Ich hab da sowas. Es ist sehr selten. Googeln Sie Niemann-Pick Typ C.
Mrs.T: Was, Niemand Pickt? Was soll denn das sein?
Ich: Niemann-Pick Typ C. Das ist sowas wie Demenz.
Mrs. Townsend klappte die Kinnlade runter, und ihr Kopf ruckte zu mir herum.

 Kurz vor Ihrem Highschool -Abschluss, bekommt Sammie eine schreckliche Diagnose. Sie leidet unter Niemann-Pick, einer unheilbaren Krankheit, die ihr nach und nach das Gedächtnis rauben wird und Halluzinationen hervorruft. Ein fürchterlicher Schlag für Sammie, die sich vorgenommen hat, den besten Abschluss der Schule zu machen, die Abschlussrede zu halten und ihre Schule beim Debattierwettbewerb des Landes zu vertreten. Danach will sie nach New York gehen und dort studieren. Große Träume, die nun durch die Krankheit von jetzt auf gleich platzen. Doch Sammie will das nicht akzeptieren. Noch kann sie ja denken und sich erinnern, und wer weiß, wann die ersten Schübe der Krankheit sich wirklich bemerkbar machen.

Also erzählt Sammie niemandem außer ihrer Familie von ihrer Diagnose und tut bei ihren Freunden  so, als wäre nichts passiert. Aber sie beginnt, heimlich auf ihrem laptop ein Tagebuch zu schreiben, eine .doc Datei an ihr anderes Ich, die zukünftige Sammie, die sie sein würde, wenn sie überleben wird.

„Du bist ich, Samantha Agatha McCoy, in nicht allzu ferner Zukunft. Ich scheribe das hier für dich. Sie sagen, dass mein Gedächtnis nachlassen wird, dass ich bald alles Mögliche vergesse. Zuerst nur ganz wenig, und irgendwann sehr viel. Also schreibe ich, um mich zu erinnern.“

Sammie schreibt alles auf, die Sorgen ihrer Eltern, die nicht genug Geld haben um all ihre Medikamente zu bezahlen, ihren ersten Kuss, den sie völlig unerwartet von ihrer Jugendliebe Stuart bekommt, ihren Riesen-Streit mit ihrer besten Freundin Maddie, als sie den Debattierwettbewerb verlieren, weil Sammie einen Blackout hat. Aber auch, dass sie sich eines Tages nicht mehr an die Namen ihrer Hühner erinnert oder den Weg nach Hause vergisst.

Sammie versucht, alles mitzunehmen, was das Leben ihr bietet, aber irgendwann muss sie akzeptieren, dass die Krankheit immer mehr von ihr Besitz ergreift. Ihre Eltern und Geschwister und vor allem Cooper, ein ehemaliger Nachbarsjunge, der heimlich in sie verliebt ist, versuchen ihr zu helfen. Doch niemand kann Sammies Schicksal aufhalten…

Dieses Buch ist unfassbar traurig, aber es zwingt einen, sich sehr intensiv mit dem Leben und Sterben zu beschäftigen. Immer wieder stellt man sich die Frage, wie würde i c h mich verhalten, wenn ich plötzlich mein Gedächtnis verlieren würde?

Sammie ist ein kluges, selbstbewusstes und sehr toughes Mädchen, sie lässt sich so leicht nicht unterkriegen und damit versinkt das Buch auch nicht „ im Elend“. Denn der stilistische Kniff, das eigene Leben einem zukünftigen Ich zu erzählen, ist klug gewählt und sprachlich auch sehr interessant gestaltet. Die Geschichte erzählt sich nicht nur durch Sammies Erlebnisse, sondern wird auch durch ihre Gedanken und ehrlichen Gefühle sehr bereichert.

Der Schreibstil ist mal flapsig, mal ernsthaft, daneben es gibt sehr lustige Sequenzen, aber auch tieftraurige, bei denen ich eine Menge Taschentücher gebraucht habe. Dieser ständige Wechsel der Erzählhaltung nimmt dem Buch ein bisschen die Schwere. Sonst könnte man die Geschichte vielleicht auch gar nicht aushalten.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist das Ende. Da schreiben alle, die Sammie nah standen, ein weiteres, ganz persönliches Kapitel in ihr Tagebuch und bringen die  Geschichte damit irgendwie zu einem ganz tröstlichen Ende.

Monika H.

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

 „Ich kann das besiegen. Ich weiß, dass ich es kann, denn je mehr ich für dich festhalte, desto weniger werde ich vergessen. Je mehr ich dir schreibe, desto mehr bleibt von mir“

Sammie ist klug, selbstbewusst und liebt ihren Debattierclub, bei dem sie ihre Interessen für Politik und Wissenschaft mit anderen austauschen kann. Nach der Schule möchte sie so schnell wie möglich ihr kleines Dorf verlassen und nach New York gehen, um dort zu studieren. Das stellt sich allerdings als nicht so einfach heraus, denn Sammie leidet an einer seltenen Krankheit namens Niemann-Pick, die ihr nach und nach alle Erinnerungen rauben wird. Deshalb schreibt sie alles über ihr Leben auf. Über ihre sechsköpfige Familie, ihre beste Freundin Maddie, den großen Streit und Stuart – den Jungen, den sie schon immer angehimmelt hat und der nach ein paar Jahren Abwesenheit endlich wieder auftaucht. Und über Cooper, ihren gut aussehenden und chaotischen Nachbarn, bei dem sie immer das Gefühl hat, dass sie sein darf, wer sie ist. Sie schreibt über ihre Gefühle, über ihre Ängste und Erlebnisse, eben über alles, was die zukünftige Sammie wissen sollte. Denn Sammie denkt, wenn sie all ihre Erinnerungen in einem Buch für ihr zukünftiges Ich aufbewahren kann, dann kann sie auch im Stande sein, ihre Krankheit zu besiegen.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr besonders. Jedes Wort, das sie benutzt, hört sich echt und authentisch an. Die Sprache ist sehr berührend und poetisch, denn Sammies Gedankengänge sind ganz besonders und beeindruckend formuliert. Da alles aus Sammies Sicht geschrieben ist und sie die Dinge eben für sich selbst aufschreibt, hat das Buch keine richtigen Kapitel, sondern ist eher in Notizen aufgeteilt. Den Roman kann man sehr flüssig lesen, da der Schreibstil nicht zu kompliziert und Sammies Geschichte sehr spannend und mitreißend aufgebaut ist. Manchmal hat man das Gefühl, man wäre selbst Sammie, da man so nah an ihrer Welt ist und so stark mit ihr mitfühlen kann. Die Krankheit lässt sie sich als Person verändern und gibt ihr einen neuen Blick auf die Welt, eine Sicht, die sie vorher noch nicht für möglich hielt. Und nach und nach wird ihr klar, worauf es wirklich im Leben ankommt. Dabei wird Sammie jedoch auch immer schwächer, was oftmals sehr emotional und zu Tränen rührend beschrieben wurde – besonders das Ende hat mich wirklich umgehauen.

Alles in allem ist dieses Buch wirklich außergewöhnlich und wunderschön. Alle Charaktere sind sehr liebenswert und glaubhaft dargestellt, sodass man jedem jede Situation abkauft. Am Anfang braucht man vielleicht eine Weile, um sich auf Sammies andere und manchmal auch schräge Art, die Dinge zu betrachten, einzulassen, aber dann wird man sie sehr schnell ins Herz schließen.

Obwohl sie das verliert, worauf sie ihre ganze Zukunft aufgebaut hat, ihr Gedächtnis, lässt sie sich nicht unterkriegen und überwindet die schweren Tage mit Mut und Humor und dem Gedanken daran, dass es Menschen gibt, die für sie da sind. Denn eigentlich handelt dieses Buch von einer Liebesgeschichte, die langsam, aber sehr bewegend und tiefgründig passiert und den Leser zum Nachdenken bringt.

Ein Buch für jeden, der sich für ernstere Themen interessiert und dabei keine Angst hat, auf eine wunderschöne, emotionale, tieftraurige und bewegende Reise in die Welt von Sammie McCoy mitgenommen zu werden.

Greta Schulte, 15 Jahre

Und hier kommt noch eine dritte Meinung zu diesem Buch:

Samantha McCoy schreibt ein Erinnerungsbuch, in dem sie über ihren kleinen Laptop alles notiert, was passiert, denn Samantha leidet an einer Krankheit, namens Niemann-Pick Typ C, die ihr im Laufe der Zeit unter anderem ihr gesamtes Gedächtnis rauben wird. Samantha ist jedoch sehr intelligent und ehrgeizig, und ihr größter Traum ist es, die Landesdebattiermeisterschaft zu gewinnen und Abschlussrednerin ihres Jahrgangs zu werden. Aus diesem Grund beschließt sie, alles Wichtige zu notieren und findet noch einige weitere Tricks, um den Gedächtnisverlust zu bekämpfen. Dabei bekommt sie Hilfe von ihren neuen Freunden, denn sie beginnt endlich, andere Menschen an sich heran zu lassen. Hierzu gehören ihr Nachbar und Kindheitsfreund Cooper, ihre Debattierpartnerin Maddie und ihr Schwarm Stuart. Doch können ihre Freunde auf Dauer mit der Krankheit umgehen? Kann Samantha ihre Träume erreichen oder wird die Krankheit sie am Ende doch einholen?

Dieses Buch hat mich ehrlich gesagt total umgehauen. Die Intensität, mit der einen die Geschichte mitreißt, ist unbeschreiblich. Samantha ist ein fantastischer Charakter und man geht richtig in ihren Erinnerungen auf, da sie alles ganz detailliert berichtet, wodurch man einen sehr genauen Einblick in ihre Gedanken und ihr Leben mit der Krankheit bekommt. Sie macht im Laufe der Handlung einen starken Wandel ihrer Persönlichkeit durch, da sie aufhört, eine einsame Streberin zu sein und anfängt, ihre Mitmenschen an sich heran zu lassen und Freunde zu finden. Dabei schafft sie es jedoch, ihre Ziele weiter zu verfolgen und gegen ihre Krankheit zu kämpfen, was ich unglaublich beeindruckend finde.

Spannend ist auch zu sehen, wie Sammie´s Schreibstil sich immer wieder verändert, je nachdem, wie es ihr geht. Am Anfang schreibt sie sehr ausführlich und künstlerisch wertvoll, doch im Laufe der Geschichte gibt es immer wieder Passagen, in denen sie kaum in der Lage ist zu tippen, was sich auch im Schriftbild wiederspiegelt, da zum Beispiel Satzzeichen fehlen, Wörter falsch geschrieben sind und die Sätze nur ganz abgehackt sind, was das Ganze sehr realistisch macht.

Manchmal schreiben auch ihre Freunde und Eltern etwas, oder Sammie tippt Dialoge ab, was alles noch spannender und origineller macht. Daher finde ich das Buch sehr empfehlenswert, da es mal was anderes ist als eine komplett durchgeschriebene Geschichte.

Ann-Kathrin Opiolka, 16 Jahre

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