Amina – Mein Leben als Junge

Coverfoto Amina Mein leben als Junge
Copyright: ueberreuter

von Caroline Philipps
ueberreuter, 2019
Taschenbuch, 158 Seiten
ab 13 Jahren
ISBN  978-3-7641-7085-1
12,95 Euro

Wenn meine kurzen Haare nicht gewesen wären, dann hätte ich mich wohl selbst für ein Mädchen gehalten. Das Äußere stimmte nun einigermaßen, aber nicht meine Gefühle. Ich war Amin und das würde sich auch so schnell nicht ändern.

Amin wacht verschwollen und blutig im Frauengefängnis von Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, auf. Er kann sich an nichts erinnern… Seine Mitgefangenen versorgen ihn mit Essen und verbinden seine Wunden. Sie wollen von Amin wissen, was passiert ist. Und vor allem, wer er ist… ein Mädchen oder ein Junge?

Amin erzählt aus seiner Kindheit in einem kleinen Dorf, zwei Tagereisen von Kabul entfernt. Sein Vater hat sich immer einen Jungen gewünscht, aber seine Mutter bekam nur Mädchen. Da beschloss sein Vater, dass Amina als Junge aufwachsen sollte. Amin war fortan sein Name, seine Haare wurden kurzgeschnitten und man steckte ihn Jungenkleidung. Amin durfte allein zur Schule gehen, er half seinem Vater bei dessen Geschäften– um Geld zu verdienen für die Familie. Er musste auf seine Schwestern aufpassen, vor allem als die Taliban in sein Dorf kamen. Das bedeutete für die Familie große Gefahr. Seine Schwestern sollten gegen ihren Willen an ältere, ihnen unbekannte Männer verheiratet werden und auch für Amin suchte man eine Frau…

Unter lebensbedrohlichen Umständen musste Amin fliehen und sich von seiner Familie abwenden. Er musste sich allein in Kabul durchschlagen und aufpassen, dass seine Verkleidung niemandem auffiel. Das wäre sein Todesurteil gewesen. Aber was sollte er tun, wenn er sich immer mehr als Mädchen, denn als Junge fühlte….

Diese sehr bedrückende Geschichte wird in Rückblicken erzählt. Im Gefängnis und im Gespräch mit den Frauen dort, erinnert sich Amin Stück für Stück an sein altes Leben zurück. Und schließlich fällt ihm sogar wieder ein, warum er zusammengeschlagen ins Gefängnis kam. Er weiß, dass er sich entscheiden muss: Will er sein Leben als Mädchen oder als Junge fortsetzen? Und was bedeutet das für seine Familie und ihn selbst und seine Freiheit….

Das Buch hat mich sehr mitgenommen, weil es schonungslos, die noch immer mittelalterlich anmutenden Zustände und Traditionen in Afghanistan beschreibt. Mädchen haben kaum eine Chance auf ein freies Leben, sie sind gefangen in Zwängen und Familienbanden. Wer ausbricht, kämpft einen fast aussichtslosen Kampf.

Die deutsche Autorin Caroline Philipps hat sehr gut recherchiert und beschreibt das Land und seine Traditionen sehr genau. Man kann sich gut in Amin/Amina hineinfühlen und bekommt gleichzeitig beim Lesen eine Riesenwut, dass Frauen und Mädchen im 21. Jahrhundert noch so behandelt werden. Am Ende des Buches sagt ein weiser Mann zu Amina: “Du wirst eine lange Reise machen müssen, bevor du weißt, wer du bist und wer du sein willst.“ Und diese Reise ist in Afghanistan lebensgefährlich, ahnt man. Doch das wird sich wohl leider so schnell nicht ändern….

Monika H.

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