Das Abrakadabra der Fische

Coverfoto: das Abrakadabra der Fische
Copyright: Thienemann

von Simon van der Geest
Thienemann, 2019
gebunden, 320 Seiten
ab 11 Jahren
ISBN78-3-522-18484-7
15,00 Euro

“Was ist mit dieser Mühle?“
Opa schaut hin. „Wieso?“
„Ist sie kaputt?“,frage ich.
„Ja, kaputt,“ antwortet er. „Komm wir gehen Butterbrot essen.“
„Können wir nicht mal hingehen und sie anschauen?“, frage ich.
„Viel zu gefährlich.“ Er stapft den Deich hinunter.
Ich schaute mich noch einmal um. Erst jetzt fällt mir auf, dass überall Kühe stehen, nur um die Mühle herum nicht. Da halten sie sich lieber fern.

Vonkie muss die Maiferien bei ihrem Opa auf den Bauernhof verbringen, weil ihre Eltern gerade in einer Krise stecken. Vonkie hat überhaupt keine Lust dazu, was soll sie bei diesem griesgrämigen alten Mann auf dessen langweiligen Hof?

Doch schon nach kurzer Zeit merkt Vonkie, dass Opa Dirk viel spannender ist, als sie dachte. Er zeigt ihr seine Lieblingsstellen in der Natur, z.B. das Liebeswäldchen oder die Kähne am Deich, und er hat zu allem und jedem eine Geschichte zu erzählen. Denn Opa ist hier aufgewachsen, zusammen mit seinen 6 Brüdern hat er ein aufregendes Leben voller Abenteuer geführt. Vor allem mit seinem Zwillingsbruder „Beule“ war er ein Herz und eine Seele. Opa selbst wurde von seinen Brüdern „Eisen“ genannt, weil er so stur war wie ein krummer Eisennnagel.

Nach und nach erfährt Vonkie durch die Kindheits-Geschichten ihres Opas eine ganze Menge über das Leben auf dem Land: von den Hühnercowboys oder über den Pastor Herrlich-Herrlich, von den kostbaren Kiebitzeiern bis hin zum legendären Scheißbalken.

Nur wenn Vonkie nach der alten Mühle fragt, wird Opa verbissen und stumm. Er verbietet ihr sogar, dorthin zu gehen, denn dort spuke es angeblich.

Vonkie wird natürlich immer neugieriger und schleicht sich sogar nachts heimlich mit ihrem Cousin Sven auf das Mühlengelände. Aber dort bekommen sie den Schreck ihres Lebens…

Wird Vonkie das Geheimnis der Mühle lüften? Und welche Rolle spielt der zerrissene Brief, den Opa aus Neuseeland von seinem Bruder Beule bekam?

Diese Geschichte entwickelt sich sehr langsam und man weiß lange Zeit nicht, wo genau es hingehen soll. Trotz des etwas zähen Anfangs fühlt man sich aber wie von einem Sog in diese fremde Welt hinter dem Deich hineingezogen. Sie ist abweisend und voller Gefahren, aber sie birgt auch spannende Geheimnisse. Und ganz langsam legt man als Leser einen Puzzlestein nach dem anderen frei und kommt einer uralten und sehr verschlungenen Familiengeschichte auf die Spur. Das liest sich flüssig und fesselnd, besonders im zweiten Teil.

Allerdings habe ich mich während des Lesens immer wieder gefragt, was der Titel „Das Abrakadabra der Fische“  wohl mit der Geschichte zu tun hat. Wahrscheinlich nichts, er liest sich nur spannend!

Das Titelbild finde ich sehr gelungen, die beiden Charaktere von Vonkie und Opa Dirk sind in der Zeichnung stimmungsvoll getroffen ebenso wie die stürmische  Landschaft hinterm Deich. Man sieht sofort, dass die Menschen dort nicht zimperlich miteinander umgehen. Auch die vielen hübschen kleinen Vignetten im Buch passen wunderbar zur Geschichte.

Insgesamt ein lesenswertes Buch, bei dem man am Anfang allerdings ein bisschen Ausdauer braucht um reinzukommen.

Monika H.

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