ScherbenHelden

Coverfoto Scherbenhelden
Copyright: Gerstenberg

von Johannes Herwig
gebunden, 269 Seiten
Gerstenberg, 2020
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-8369-6059-5
16,00 Euro

Nino und Max, zwei beste Freunde in Leipzig –nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Alles geht drunter und drüber, Regeln scheinen noch nicht so wirklich zu existieren.

Dann werden die beiden beinahe beim Klauen erwischt und eine Gruppe von Punks gibt ihnen Deckung. Schnell freunden sie sich an und werden Teil der Gruppe. Für Nino inklusive hoher Stiefel und Irokesenschnitt.

Nur Max Eltern scheinen sich quer zu stellen, verbieten Max irgendwann sogar den Umgang mit Nino, da dieser angeblich einen schlechten Einfluss darstellt. Nino verbringt immer mehr Zeit in der Stadt bei seinen neuen Freunden, lernt dort jedoch auch schnell deren Probleme kennen.

Immer wieder werden sie verachtend angeguckt. Wegen ihres Stylings, ihres Verhaltens und ihrer Musik von den „Normalos“ verpönt. Dann gibt es natürlich immer wieder Ärger mit irgendwelchen Neonazis, die wahllos Menschen zusammenschlagen und dabei nicht gerade darauf achten, ob das Opfer am Ende überhaupt wieder aufsteht. Dazu kommen noch eigene, vor allem finanzielle Probleme zu Hause und die Tatsache, dass Nino bis heute nicht versteht, warum seine Mutter sie damals verlassen hat um in den Westen abzuhauen. All das führt zu einer ordentlichen Portion Wut in Ninos Bauch und genauso wie es in ihm brodelt, brodelt auch die Stadt um ihn herum.

Wenn man anders denkt, eckt man immer irgendwo an. Die Geschichte von Nino und Max, vermittelt sehr anschaulich, wie es sich anfühlt Teil einer Randgruppe zu sein. Zum einen werden sie von vielen angestarrt, manche Menschen scheinen sogar Angst vor ihnen zu haben.

Von Polizisten werden sie sowieso unhöflich behandelt und generell scheinen sie jedem ein Dorn im Auge zu sein. Doch dann ist da auch dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Gruppe. Sie verbringen fast täglich Zeit zusammen, stehen füreinander ein und helfen sich gegenseitig aus der Patsche. Und was noch wichtiger ist: sie verstehen einander.

Diese Unzufriedenheit, die in Nino wütet, da sein Vater nach der Wende noch mehr arbeiten muss, aber weniger verdient, ist den anderen nicht fremd. Auch sie leiden unter dem System und sind wütend. Und irgendwo muss diese Wut schließlich hin. Die Gruppe selber und die gesamte Geschichte strahlt eine wahnsinnige Lebendigkeit aus, was mir total gut gefällt.

Punk heutzutage ist schließlich nicht mehr ganz das, was es mal war. Mein Vater meinte letzthin noch im Spaß „Der echte Punk sei tot“ und ein bisschen stimme ich ihm da zu. Die Musik ist zwar noch da und der Wunsch nach Veränderung, nach Gerechtigkeit wird auch immer lebendig bleiben, dennoch ist diese raue Wut nach außen verschwunden, die den Punk damals mit ausgemacht hat. Natürlich hilft es nicht, irgendwas kaputt zu schlagen und die Zeiten haben sich auch einfach geändert. Trotzdem ist es schön mit „Scherben Helden“ eine Reise in die Vergangenheit zu machen und noch mal echten Punk zu erleben.

Ann-Kathrin Opiolka, 19 Jahre

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