Tanz der Tiefseequalle

Coverfoto Tanz der Tiefseequalle
Copyright: Beltz & Gelberg

von Stefanie Höfler
Beltz & Gelberg, 2017
gebunden, 192 Seiten
ab 11 Jahren
ISBN 978-3-407-82215-4
12,95 Euro

 Kann mir echt nicht vorstellen, so auszusehen wie Niko. Aber klar starr ich ihn auch weiter an und schäm mich ein bisschen dafür. Ist allerdings ein nicht ganz ernst gemeintes Schämen, weil es zu einem guten Stück mit Erleichterung vermischt ist. Nämlich, dass ich nicht so ausseh wie Niko. Dass er Pech gehabt hat und ich Glück. Das Leben ist ungerecht. Ziemlich fies, ich weiß.

Sera, eine gebürtige Ägypterin, ist bildhübsch und gehört zu den beliebtesten Mädchen in der Klasse. Niko dagegen ist dick und wabbelig, für seine Mitschüler ist er „das Opfer“ und hat schwer unter ihren unfairen Mobbing-Attacken zu leiden. Besonders der „Star“ der Klasse, Marko, macht ihm das Leben immer wieder mit großer Freude zur Hölle. Auf einer Klassenfahrt bemerkt Niko zufällig, wie Marko sich Sera nähert und die gegen ihren Willen küssen und begrapschen will. Niko rettet Sera aus dieser Situation und damit hat nun auch Sera ein Problem. Die Anderen meiden sie plötzlich genau wie Niko und tuscheln hinter ihrem Rücken. In ihrer Verzweiflung fordert Sera Niko auf der Abschlussparty zum Tanzen auf und küsst ihn. Und damit gerät nicht nur ihr Leben völlig aus den Fugen…

Die ganze Welt scheint plötzlich kopfzustehen, und Niko und Sera wissen nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen. Denn eigentlich mag Sera Niko. Er hat eine wunderbar tiefe und warme Stimme, er hat lange schwarze Augenwimpern und flaschengrüne Augen, er hat schöne Hände mit langen Fingern … wenn er bloß nicht so furchtbar dick und unförmig wäre. Dass Niko Sera mag, ist von Anfang an klar, aber er traut sich einfach nicht zu glauben, dass so ein hübsches und kluges Mädchen wie Sera sich für ihn interessieren könnte. Wenn er seine verrückten Freunde, Osman und Little, nicht hätte, die ihm immer wieder den Rücken stärken und sein Ego aufrichten, wäre er schon längst abgehauen.

Wie Niko und Sera entgegen aller Vorurteile und Boshaftigkeiten ihrer Umwelt ganz langsam zueinander finden, wie sie sich trotz aller widersprüchlichen Gefühle immer mehr vertrauen und dadurch mutiger und stärker werden, das ist ganz wunderbar einfühlsam erzählt und die wirklich große Kunst dieser Geschichte. Stefanie Höfler, die auch schon in ihrem ersten Buch „Mein Sommer mit Mucks“ gezeigt hat, was sie kann, hat sich hier wirklich selbst übertroffen. Sie ist so authentisch und eins mit ihren Figuren, dass man glaubt, sie sei selbst gerade 14 Jahre alt und  in der Situation, sich in einen Außenseiter zu verlieben. Stefanie Höfler trifft genau die richtigen Worte, achtet sensibel auf jede Nuance eines Gefühls und das macht dieses Buch so spannend und glaubhaft.

Die Geschichte wird abwechselnd von Niko und von Sera erzählt und vorangetrieben, so dass man als Leser ständig die Seiten wechselt und damit die ganze Bandbreite dieses Gefühlschaos mitfühlen kann. Dieses Buch verdient uneingeschränktes Lob—und hoffentlich viele Auszeichnungen!

Monika H.

 

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