Wieviel Leben passt in eine Tüte?

Coverfoto Wieviel Leben passt in eine Tüte
Copyright: Thienemann

von Donna Freitas
aus dem Englischen von Christine Gallus
Taschenbuch, 398 Seiten
Thienemann, 2020
ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-20268-8
15,00 Euro

Seit ihre Mutter gestorben ist, ist für Rose nichts mehr, wie es mal war. Ihr Bruder ist auf dem College und sie muss sich somit um ihren Vater kümmern. Dieser kommt viel zu oft betrunken nach Hause und scheint ohne sie kaum noch etwas auf die Reihe zu kriegen. Dabei leidet Rose selber doch auch unter dem Tod ihrer Mutter. Zu allererst wäre da, dass sie kaum noch Menschen an sich heranlassen kann. Körperliche Nähre ist für sie beinahe unerträglich. Wie soll sie sich denn wohl und gut bei jemandem fühlen, wenn ihr etwas so Wichtiges entrissen wurde, wie die eigene Mutter?

Ihr Freund Chris gibt sich alle Mühe, sie zu verstehen und zu akzeptieren, aber auf Dauer kann er einfach nicht ohne die nötige Zuneigung weitermachen. Zum Glück findet Rose  im Schrank ihrer Mutter ein Survival Kit, welches diese ihr hinterlassen hat. Früher hat ihre Mutter diese kleinen Tütchen für so viele Menschen gebastelt und liebevoll befüllt, sodass Rose es kaum fassen kann, dass sie nun auch eines von ihr erhalten hat.

Durch dieses Paket und seinen Inhalt, soll Rose langsam in ihr Leben zurückfinden. Zum Beispiel beginnt sie nach und nach wieder Musik zu hören oder zu Sportveranstaltungen zu gehen. Dabei helfen ihr vor allem ihre beste Freundin Krupa, aber auch Will Doniger, der sich immer um den Garten ihrer Mutter kümmert, bekommt auf einmal eine bedeutende Rolle in ihrem Leben. Er versteht ihre Trauer, da er seinen Vater verloren hat. Zusammen finden sie langsam ins Leben zurück, aber der Schmerz ist unberechenbar.  Wird er sie am Ende zusammenführen oder doch voneinander trennen?

Dieses Buch ist wirklich ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man seine Trauer langsam überwindet. Alle Personen trauern anders und auf ihre eigene Weise, aber sie haben eine Sache gemeinsam: Am Anfang denkt man immer, dass es niemals besser wird und man einfach nie wieder glücklich sein kann. Doch immer wieder lernen wir, dass die Zeit doch etwas Abstand bringt und man Schritt für Schritt lernt, mit dem Verlust umzugehen.

Zu Beginn isoliert sich Rose total von allen und verliert dadurch auch Chris, was alles erstmal noch viel schlimmer wirken lässt. Im Laufe der Geschichte öffnet sie sich langsam wieder für ihre Mitmenschen. Ihre Freunde sowie das Survival Kid ihrer Mutter helfen ihr dabei. Sie merkt, wie gut es ihr tut, Sachen mit ihren Freunden zu unternehmen und mal für ein paar Minuten die Trauer hinter sich zu lassen. Dieses Beispiel kann, denke ich, vielen Menschen helfen. Es ist immer einfacher sich abzuschotten und andere auszuschließen, als den eigenen Kummer mit ihnen zu teilen. Aber oft können wir unsere Trauer nur überwinden, in dem wir uns wieder auf andere Menschen einlassen.

Richtig gut hat mir außerdem gefallen, dass die Musik ein so großes Motiv in der Geschichte ist. Jedes Kapitel enthält ein Lied und alle zusammen ergeben am Ende, die Playlist, mit der Rose ihre Trauerphase mit allen Höhen und Tiefen verarbeitet. Diese Idee ist wirklich cool, mit viel Sorgfalt ausgeführt und gibt dem Buch somit das gewisse I-Tüpfelchen.

Ann-Kathrin Opiolka, 19 Jahre

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