Niemandsstadt

Coverfoto Niemandsstadt
Copyright: Thienemann

von Tobias Goldfarb
gebunden, 364 Seiten
Thienemann, 2020
ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-522-20267-1
15,00 Euro

Josefine ist wirklich super im Tagträumen. Während ihre Mitschüler jede freie Minute am Handy auf der Plattform Magick totschlagen, träumt sie am liebsten einfach nur vor sich hin. Wenn sie träumt, landet sie in einer anderen Stadt. Der Niemandsstadt. Diese ist ein Abbild ihrer Heimat und doch ganz anders. In der Niemandsstadt gibt es nämlich all die Wesen, die sich die Menschen in der Realität erträumen. Hier leben Feen, Drachen, Trolle, kleine bissige Dämonen und vieles mehr.

Lange Zeit war Josefine vor allem eine stille Besucherin in der Niemandsstadt. Keiner der Bewohner schien sich so richtig für sie zu interessieren und jeder Besuch verlief sehr friedlich. Außer ein paar kleinen Bissen und Kratzern hatte sie nichts zu befürchten. Doch jetzt ist alles anders. Die Niemandsstadt ist in Gefahr. Aus dem Nichts tauchen blecherne Drachen auf, die die Stadt mit Nullen überscheiben. Wie bei einem Computer, wenn Software gelöscht wird, bleiben nur weiße Landschaften aus Nichts übrig, die sich nur langsam regenerieren. Sollte es den Drachen gelingen die ganze Stadt zu vernichten, wird sie vermutlich nie wiederkehren. Zu viele Daten wären verloren gegangen. Für Josefine ist klar, dass sie die Niemandsstadt retten muss. Dabei soll ihr Eli helfen, die sich super mit Magick auskennt, denn eins ist klar: die Firma, die den Maschinen das Träumen beibringen will, hat garantiert etwas mit den Problemen drüben zu tun….

Die Niemandsstadt ist wirklich wundervoll. In ihr steckt so viel Fantasie und Magie, dass sie fast ein bisschen verrückt wirkt. Gerade dadurch ist man als Leser direkt in sie verliebt. All die kleinen Details, wie auf Lava schwimmende Gehwegplatten und der gelegentlich nach oben fließende Regen machen die Niemandsstadt so lebendig, dass man geradezu hineingesogen wird.

Die Realität ist jedoch genauso, wie sie nun mal ist. Überall sind die Leute nur am Handy und vergessen völlig, dass es auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Dabei wird schnell klar, dass die Fantasie essentiell fürs Träumen ist und anders herum. Ohne Träume hat man keine Fantasie und ohne Fantasie keine Träume. Die Maschinen lenken die Menschen derart ab, dass es kaum noch Träumer gibt. Daher hängt alles an Josefine. Sie kann noch zwischen den Welten wandern. Kann beiden Seiten helfen, denn obwohl es niemand wahrhaben will,ist auch die Realität in Gefahr, wenn immer mehr Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen und sie dumpf und ruhig stellen; ihre Fantasie und somit ihre Magie stehlen.

Die Grenze zwischen Magie und Realität ist nämlich nicht so unüberwindbar, wie man ganz gerne glaubt. Das macht die Geschichte unglaublich spannend, da nicht nur Josefines Niemandsstadt in Gefahr ist, sondern auch die Realität. Man hat also auf der einen Seite ein wirklich fesselndes Fantasy-Abenteuer, aber auf der anderen Seite rüttelt die Geschichte auch ein bisschen wach. Immer mehr Jugendliche verbringen wahnsinnig viel Zeit mit ihren Medien, fast niemand träumt einfach mal in den Tag hinein. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Geschichte darauf aufmerksam macht, wie wichtig dieses Träumen doch für uns ist, da unser Kopf dabei mal wirklich abschalten kann und nicht ständig zugemüllt wird.

Ein tolles Buch!

Ann-Kathrin Opiolka, 18 Jahre

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