Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Coverfoto Alles. Nichts. und ganz viel dazwischen
Copyright: ueberreuter

von Ava Reed
ueberreuter, 2019
gebunden, 319 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7641-7089-9
16,95 Euro

 

Viele Dinge sind nicht mehr so, wie sie vorher waren. Auch ich nicht. Ich habe mich verändert und ich bin mir nicht sicher, ob man es rückgängig machen kann. Etwas in mir spielt verrückt. Als würde plötzlich ein Zahnrädchen im Getriebe klemmen und alle anderen Rädchen ins Stocken bringen. Das ganze System ins Chaos stürzen. Mich. Meinen Körper. Mein Leben.

So fühlt sich Lenis Leben an. Noch weiß sie nicht, was es ist und wie sie damit umgehen soll. Sie weiß nur eins: Vorher war sie glücklich und hatte ein unbeschwertes Leben und dann… Ja, was ist dann eigentlich passiert? Jedenfalls ist jetzt nichts mehr so wie zuvor. Und Lenis einziger Wunsch ist, dass es aufhört und dass es ihr wieder besser geht. Noch weiß sie nicht, dass die Diagnose Depressionen und Angststörung lauten wird, dass sie eine Therapie brauchen wird. Aber sie weiß, dass sie Hilfe braucht.

Nur leider will ihre Krankheit das nicht wahrhaben. Die Dunkelheit in ihr zieht Leni immer weiter runter, sodass nichts zu helfen scheint. Bis sie Matti kennen lernt. Matti, der so ganz anders ist und auf Grund seiner eigenen Krankheit nichts von der Welt kennt. Diese Welt will er entdecken und er nimmt Leni einfach mit. Auf ein Abenteuer, von dem sie selbst gar nicht weiß, ob sie das will und ob es gut oder schlecht ist.

Dies ist ein sehr persönliches und wichtiges Buch. Mit persönlich meine ich noch nicht mal, dass es auch für die Autorin Ava Reed ein sehr persönliches Thema ist. Nein, ich meine, es ist persönlich, weil es uns alle betrifft. Jeden einzelnen persönlich. Depressionen, Angststörungen, die Angst vor der Angst. Das sind Krankheiten, die man nicht sehen kann und die deswegen viel zu oft übersehen werden.

In den meisten Filmen und Büchern wird ein sehr negatives Bild von Depressionen transportiert. Zum Beispiel leidet die Mutter eines Protagonisten daran und kann sich deswegen nicht um ihr Kind kümmern. In solchen Fällen wird der Kranke häufig zum Buhmann der Geschichte. Und ich glaube, das ist das Bild, was sich bei uns festsetzt.

Deswegen finde ich dieses Buch so genial. Es zeigt uns die andere Seite. Die Krankheit aus der Perspektive einer Jugendlichen, die einfach nur darunter leidet und der es besser gehen möchte.

Das Buch ist toll geschrieben und die Zeichnungen und handgeschriebenen Tagebucheinträge der Autorin verleihen der Geschichte einen authentischen Charakter. Die Gefühle, von denen Ava Reed schreibt, gehen einem direkt ans Herz und unter die Haut. Auch wenn man selbst keine Erfahrungen mit solchen starken negativen Emotionen der Dunkelheit gemacht hat. Aber darum geht es ja genau. Dieses Buch soll uns zeigen, wie es den Kranken wirklich geht und uns ein bisschen verständnisvoller machen. Das schreibt die Autorin selbst in ihrem Vor- und Nachwort, welche die Geschichte begleiten. Ich finde es gut, dass die Geschichte dadurch in einen Kontext gesetzt und die Fiktion ein bisschen aufgebrochen wird. Und ich bin ganz auf Ava Reeds Seite. Wir sollten uns öffnen und psychischen Krankheiten gegenüber verständnisvoller sein. Das kann so ein Buch bewirken und deswegen möchte ich euch dieses Buch gerne ans Herz legen. Es ist ein Buch, das trotz all seiner Dunkelheiten Hoffnung spendet. Ein Buch, dessen Geschichte uns etwas angeht. Jeden von uns.

Carolin Wallraven, 20 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

„In jeder Dunkelheit brennt ein Licht. Man muss es nur finden!“

Leni ist glücklich und führt ein normales, erfülltes Leben. Bis sie es nicht mehr ist. Irgendwas hat sich verändert. Plötzlich ist sie häufig traurig, hat Angst und kommt manchmal nicht mal mehr aus dem Bett, weil es sich zu schwer anfühlt. Doch was fehlt ihr? Und was hat dieses Gefühlschaos ausgelöst? Leni versteht es nicht. Doch wie kann man Hilfe bekommen, wenn man nicht mal weiß, was genau einem fehlt?

Das Buch hat mich sofort angesprochen, da ich Bücher über psychische Erkrankungen immer sehr interessant finde. Man lernt durch sie viel und sie fühlen sich oft sehr persönlich an. Keine anderen Bücher bringen mich so zum Nachdenken und lösen die gleichen Emotionen beim Lesen aus. Auch „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ ist ein sehr realistisches Buch, das einem zeigt, wie schnell alles plötzlich ganz anders sein kann, ohne dass es einen wirklichen Auslöser gibt. Außerdem zeigt der Roman, dass auch unsichtbare Krankheiten Krankheiten sind, die man ernst nehmen muss, da sie oft nicht weniger schwer sind, als physische.

Leni ist ein ganz normales Mädchen, mit einem ganz normalen Leben. Dadurch, dass die Autorin ihre Geschichte mit ihrem Leben vor den Depressionen beginnt, kann man sich sehr gut mit ihr identifizieren. Man lernt, dass es trotz eines glücklichen Lebens plötzlich ganz anders kommen kann. Lenis Krankheit wird schleichend schwerer und man erkennt, wie es mit jedem Stück erdrückender für sie wird, normal weiterzuleben. Man kann den Prozess also gut nachvollziehen.

Parallel zu Lenis Geschichte lernt man durch vereinzelte Kapitel Matti kennen, der eine sehr seltene physische Krankheit hat und deshalb in vielem eingeschränkt leben muss. Ich fand es sehr gut, dass Ava Reed den Aspekt einer physischen Krankheit, die sich auf die Psyche auswirken kann, miteingebracht hat. Man lernt dadurch zwei Arten des Leids kennen. Mattis Kapitel haben mir sehr gefallen, da sie seinen Alltag wiedergeben und man ihn versteht, obwohl es immer noch schwierig ist, ganz nachzuvollziehen, was er durchmachen muss.

Ein großer Teil des Romans spielt in einer Psychiatrie (wo sich die beiden Protagonisten auch kennenlernen). Man erfährt einiges über den Ablauf dort und wie sich Leni und Matti dort fühlen, was ich sehr interessant fand.

Neben den regulären Kapiteln gibt es viele abgedruckte Tagebucheinträge von Leni, die ihre Emotionen und Gedanken sehr nachvollziehbar und realistisch darstellen. Ich fand, dass sich diese sehr persönlich angefühlt haben, obwohl sie von einer „unbeteiligten“ Person (der Autorin) geschrieben wurden. Ava Reed hat die Gefühle sensationell übermittelt und es fühlt sich so an, als ob sie die Person ist, die gerade alles durchlebt.

Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, war der Ausbruch aus der Psychiatrie. Obwohl die Geschichte in keinem Fall schlechter geworden ist und man nur noch mehr über Leni und Matti und ihre Krankheiten erfährt, fand ich, dass dadurch die Geschichte nicht mehr so realistisch war, wie zuvor. Es ist im echten Leben nicht so einfach aus einer Psychiatrie zu fliehen und so lange unentdeckt zu bleiben. Außerdem passiert so etwas selten bis nie in der Realität, weshalb das Buch dadurch mehr wie eine normale Geschichte gewirkt hat.

Trotzdem ist der Roman einer der besten, den ich seit langem gelesen hab und ich würde ihn jedem empfehlen!

Mara Frohreich, 17 Jahre

 

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