Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle

Coverfoto Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle
Copyright: Gerstenberg

von Timothee de Fombelle
aus dem Französischen von Tobias Scheffel
und Sabine Grebing
Gerstenberg, 2017
gebunden, 320 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-8369-5879-0
18,95 Euro

„Tags zuvor war sie eine Fee. Aus diesem Grund jedoch hätte sie am Tag zuvor das Schicksal des Jungen, den sie liebte, nicht teilen können, nicht leben oder sterben können mit ihm. Also hatte sie sich von allem Zauber losgesagt. Ein selbst in den ältesten Märchen sehr seltener Verzicht: die Abdankung einer Fee.“

Zwei Brüder, die verschiedener nicht sein können: Ian ist böse und hart, er unterdrückt sein Volk und bekämpft es brutal. Ilian ist liebevoll und sanft, kraftvoll und leidenschaftlich und lange Zeit ahnt er nichts von der Existenz seines Bruders. Unglücklicherweise verlieben sich beide, ohne es zu wissen, in dasselbe Mädchen, eine wunderschöne 15jährige Fee ….

Diese Fee wird fortan Ilians „Schicksal“ und er folgt ihren Spuren durch das ganze Königreich. Verzweifelt irrt er  durch die Welt der Fantasie, um seine einzige große Liebe zu finden. Dabei verliert er seinen Weg und landet schwer verwundet in der Realität, im Haus des sonderbaren und  sehr schweigsamen Monsieur Perle. Dessen Hütte ist von oben bis unten mit verschlossenen Koffern gefüllt, die er hütet wie einen Schatz.

Ilian versucht mit allen Mitteln, den Weg zurück ins Reich der Fantasie zu finden, stattdessen entfernt er sich jeden Tag weiter davon. Er landet im Paris der 30er Jahre im Geschäft des Schaumzuckerherstellers Joshua Perle und der gibt ihn als seinen verschollenen Sohn aus. Doch das Geheimnis fliegt auf und Ilian flieht weiter durch ganz Europa. Den Glauben an seine große Liebe Olia, die Fee, gibt er dabei nie auf. Verzweifelt sucht er nach Beweisen ihrer Liebe, die auch ihm selbst bestätigen, dass er keinem Trugbild aufgesessen ist.

Selten finde ich ein Buch, das mir beim Lesen so sehr den Atem verschlägt: Zum einen aufgrund seiner eleganten, ein wenig altmodischen und sehr wortgewaltigen Sprache, zum andern aufgrund der grandiosen, fantasievollen Geschichte, die so viele Fäden ausrollt und sie am Ende kunstvoll und sehr überraschend miteinander verknüpft.

Der Autor hat ein feines Gespür dafür, Fiktion und Realität so nah nebeneinander herlaufen zu lassen, dass man als Leser manchmal gar nicht weiß, auf welcher Erzählebene man sich gerade befindet.

Ein bisschen fehlt mir allerdings die Bindung zu den einzelnen Charakteren. Sie haben zwar eine fesselnde Geschichte durchlebt, aber nicht immer mein Herz berühren können. Doch das ist nur ein kleines Manko in einem ansonsten großartigen Buch, das schon durch seinen ungewöhnlichen Einband besticht und neugierig macht.

Monika H.

  

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