Mein Herz in allen Einzelteilen

Coverfoto Mein herz in allen Einzelteilen
Copyright: Boje

von Julie Buxbaum
aus dem amerikanischen Englisch von Anja Malich
Boje, 2. Auflage 2018
gebunden, 368 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-414-82508-7
14,00 Euro

„David hat gesagt, ich sei wunderschön, nicht nur einmal, sondern zweimal, und zumindest im Moment habe ich das Gefühl, dass er nicht lügt, dass ich von innen und von außen schön bin oder es vielleicht eines Tages sein werde. David zu küssen, würde mich vergessen lassen. Ist das so falsch? Wenigstens eine Weile vergessen zu wollen?“

Kits Welt steht still, als ihr Vater bei einem Autounfall ums Leben kommt. Und Davids Welt ebenfalls, als sich Kit in der Mittagspause an seinen Tisch setzt, anstatt wie sonst zu ihren besten Freundinnen. Für David ist es ein Wunder, da er in der Schule als der Außenseiter gilt, mit dem niemand etwas zu tun haben will. Doch für Kit scheint er der Mensch zu sein, der ihr diese schwierige Zeit am meisten erträglich machen kann. Mit seiner schonungslosen Ehrlichkeit und den nicht vorhandenen mitleidigen Blicken schafft er es, dass Kit regelmäßig zu ihm an seinen Tisch geht. Je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto mehr schließen sie einander ins Herz und entwickeln eine enge Freundschaft, die jeden Tag stärker wird.

Das Buch wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Einmal aus Kits Sichtweise und einmal aus Davids. Da die beiden so gegensätzlich sind, ist das Lesen sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Der Schreibstil der Autorin ist schön und leicht zu lesen, auch, wenn die Sprache, die sie benutzt, meiner Meinung nach oft unauthentisch wirkt. Kit ist beliebt, hat ihre zwei besten Freundinnen Annie und Violet immer an ihrer Seite und auch sonst eine enge Clique, mit der sie viel Zeit verbringt. Diese Darstellung finde ich ein wenig zu klischeehaft, da man solches schon oft gehört hat und es deshalb oft zu überspitzt und realitätsfern herüberkommt. Es klingt nämlich nach einer typischen Highschool-Geschichte mit Beliebten und Unbeliebten.

Davids Autismus ist jedoch etwas, wovon man vor allem in Jugendbüchern nicht so oft liest. Schon von der ersten Seite an merkt man, wie anders er ist. Er bezieht sich gerne auf Wissenschaft, Mathematik und Fakten und kann die Gefühle und das Verhalten seiner Mitmenschen schlecht einschätzen und oftmals nicht verstehen. So fällt es auch Kit anfangs schwer, Davids Denken nachzuvollziehen. Er führt ein geheimes Tagebuch, in dem er sich Dinge notiert, um seine Umwelt besser zu verstehen.

Als dies gemeinerweise gestohlen und für alle veröffentlicht wird, wachsen Kit und er immer näher zusammen, da sie sich für ihn einsetzt, etwas tut, das sie früher vielleicht nicht getan hätte. Vor dem Tod ihres Vaters war ihre Welt noch heil und normal. Doch seit er gestorben ist, hat sich alles für sie verändert. Vor allem, als sie etwas erfährt, dass sie eigentlich hätte niemals erfahren sollen.

Insgesamt handelt diese Geschichte davon, zurück ins Leben zu finden und Vorurteile fallen- zulassen, um Menschen, so anders sie auch sind, besser kennenzulernen. Durch die Freundschaft zu David wächst Kit nämlich immer mehr und kann dank seiner Hilfe mit ihrer Situation besser umgehen, auch wenn das oft gar nicht so leicht ist.

Selbst wenn das Buch ein sehr ernstes Thema behandelt, ist es fast nie bedrückend oder traurig. Gerade das fand ich ein wenig störend, da die Dinge häufig zu unbeschwert und unrealistisch behandelt wurden und die Personen mir dadurch oft unglaubwürdig erschienen.

Kit ist jemand, der sehr impulsiv handelt, weshalb ich ihr Verhalten nicht immer ganz nachvollziehen konnte und es mir dadurch schwer gefallen ist, mich mit ihr zu identifizieren.

Auch wenn sich David aufgrund seiner Krankheit ständig in soziale Missgeschicke stürzt, fand ich sein Verhalten jedoch oft so schrecklich und unglaubwürdig, dass es mir nicht leicht fiel, ihn als Person zu mögen.

Während der gesamten Geschichte passiert nicht sehr viel, jedoch nimmt es zum Ende hin eine überraschende Wende, die dieses Buch für mich ein wenig rettet.

Insgesamt ist es eine süße Geschichte, die jedoch zu viele Klischees beinhaltet und dadurch an Authentizität verliert, aber durch die zwei unterschiedlichen Welten trotzdem eine unterhaltsame Geschichte kreiert, die interessante Fakten zum Thema Autismus bietet.

 

Greta Schulte, 16 Jahre

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