Niemalswelt

Coverfoto Niemalswelt
Copyright: Carlsen

von Marisha Pessl
aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Carlsen,2019
gebunden, 382 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-551-58400-7
18,00 Euro

 Ich heiße Beatrice Hartley. Ich bin in der Niemalswelt gefangen, einem Ort zwischen Leben und Tod, und ich versuche, irgendwie da rauszukommen.

Beatrice (Bee) hat ihre erste große Liebe vor einem Jahr verloren. Ihr Freund Jim ist unter ungeklärten Umständen gestorben und seitdem hatte Bee keinen Kontakt mehr zum Rest ihrer Clique. Denn sie weiß, dass ihre Freunde alle etwas vor ihr zu verbergen haben.

Nun, nach einem Jahr, beschließt Bee, das Geheimnis zu lüften und nimmt die Einladung zu einer Feier im Wochenendhaus an. Die fünf ehemaligen Freunde haben nachts einen Autounfall, den sie zum Glück alle unversehrt überstehen. Das denken sie zumindest alle vorerst.

Doch kurze Zeit später steht ein merkwürdiger Mann vor ihrer Tür, der sich als Wächter ausgibt und behauptet, die Jugendlichen wären bei dem Autounfall schwer verletzt worden und würden nun die nächsten 11 Stunden immer wieder aufs Neue erleben. Sie sind in der sogenannten Niemalswelt gefangen und zwar so lange, bis sie sich gemeinsam für einen von ihnen entschieden haben, der den Unfall überlebt. Alle anderen werden sterben.

Jeder geht zunächst auf seine Weise mit der Situation um, denn obwohl die Fünf es zunächst nicht glauben wollten, erleben sie denselben Tag immer wieder. Irgendwann wird ihnen klar, dass sie in ihrer Situation herausfinden können, wie Jim ums Leben gekommen ist. Denn selbst wenn es beim ersten Versuch nicht klappt, wird nach 11 Stunden alles wieder zurück auf Anfang gesetzt.

Darüber, wie es weitergehen sollte, würde ich morgen nachdenken, oder gestern oder heute oder was auch immer.

 

Meine Meinung:

Wow! Ein absolutes Leseerlebnis. Weil ich den Hype um dieses Buch nachvollziehen wollte, habe ich es auch zur Hand genommen und es nicht nur gelesen, sondern regelrecht verschlungen. Jetzt gehöre ich ebenfalls zu den Leuten, die total begeistert von Niemalswelt sind!

Was das Buch so besonders macht? Für mich waren es viele Aspekte, die zusammen einfach ein tolles Buch ergeben!

Zuerst hat mir die Genremischung total gefallen! Der Mix zwischen Mystery und Krimi war für mich genau richtig. Dazu kommt, dass ich die Niemalswelt sehr spannend finde. Es ist zwar kein vollkommen neues Motiv, aber erfrischend anders umgesetzt und erzählt.

Erzählt ist ein gutes Stichwort. Die Geschichte wird von der Autorin so gut erzählt, dass sie automatisch zum Page-turner wird. Trotzdem muss ich zugeben, dass Marisha Pessl mich auf den ersten 30 Seiten noch nicht ganz eingefangen hatte. Den Einstieg in die Geschichte fand ich als einziges Element an diesem Buch nicht so ganz gelungen.

Dafür konnte mich der Rest der Story mit den vielen unvorhersehbaren und überraschenden Wendungen komplett in seinen Bann ziehen.

Was einen wirklich großen Teil dieses Buches ausmacht und was mich auch am meisten beeindruckt und berührt hat, sind die Eindrücke über die menschliche Psyche, die man durch die Erzählung erhält. Die Autorin schreibt über die geistigen Abgründe der Menschheit, Gewalt und Verdrängung. Niemand ist perfekt, niemand ist unschuldig.

Das ist das, was das Buch meiner Meinung nach so stark macht. Die Figuren sind alle ganz toll gezeichnet. Jede hat ihr eigenes Päckchen zu tragen und jede hätte es verdient, den Unfall zu überleben.

Besonders fiebert man natürlich mit der Protagonistin Bee mit. Sie macht eine sehr starke Entwicklung durch, die den Leser auch durchaus überrascht und das, obwohl die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird.

Das Buch wird wirklich zu Recht gehypt und auch ich kann es euch nur eindringlich ans Herz legen.

 

Carolin Wallraven, 20 Jahre

Und hier kommt noch eine zweite Meinung zu diesem Buch:

Seit Bees Freund Jim auf mysteriöse Weise gestorben ist, hat sie nicht mehr mit ihren ehemaligen besten Freunden geredet. Als sie sich dann jedoch ein Jahr später wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock kehren sie nach Hause zurück, doch dann klopft ein unheimlicher Fremder an die Tür. Er erklärt ihnen das Unglaubliche: Sie sind keineswegs dem Unfall entkommen und es gibt nur einen Überlebenden. Doch wer das sein mag, liegt in ihrer Hand.

Die Freunde sind in einer Zeitschleife gefangen, in der sich der Tag des Unfalls ständig wiederholt, bis sie sich geeinigt haben, wer sterben muss und wer überleben darf.

Der Schlüssel zu dieser Entscheidung liegt bei Jims ungeklärtem Tod. Sie beginnen nachzuforschen und stoßen dabei auf eine Reihe von Geheimnissen und Lügen, denn jeder der Freunde scheint etwas zu verbergen …

Mich hat die Geschichte sofort interessiert und ich war sehr gespannt auf die Umsetzung. Die Niemalswelt wird kreativ beschrieben und auch die Idee dahinter finde ich gut. Vor allem der Schreibstil der Autorin hat einem die Gefühle und Gedanken der Charaktere gut übermittelt, und man überlegt permanent, wen man am liebsten von den Freunden retten würde. Auch ist die Geschichte größtenteils unvorhersehbar, vor allem mit den wahren Ereignissen rund um Jims Tod hätte ich so nie gerechnet. Schlussendlich weiß man auch nicht sicher, ob es die Niemalswelt nun wirklich gibt oder ob alles nur als eine Art Traum durch den Unfall ausgelöst wurde. Das hat mir persönlich am besten gefallen, da man selbst entscheiden kann, was man glaubt.

Allerdings haben mir die Charaktere alle nicht gefallen. Keiner von ihnen war mir sympathisch und ich konnte ihre Handlungen häufig nicht nachvollziehen, weshalb es schwer war, sich mit ihnen zu identifizieren. Auch fand ich die Idee, die Möglichkeit von Zeit- und Ortssprüngen in die Niemalswelt einzubauen, nicht so gut. Für mich hat das die Idee des Buches, dass die Charaktere jeden Tag an der gleichen Stelle, am selben Ort erwachen, zerstört. Die Niemalswelt wirkte somit nicht so quälend aussichtslos und monoton, wie sie ja eigentlich sein sollte. Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit einer Zeitschleife zu tun.

Alles in allem fand ich die Idee und auch die Umsetzung gut, doch die Zeit- und Ortswechsel haben der Geschichte eher geschadet, als sie verbessert.

Mara Frohreich, 17 Jahre

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