Einfach Yeshi

Coverfoto Einfach Yeshi
Copyright: Aris Verlag

von Gabriela Kasperski
Aris, 2019
gebunden, 164 Seiten
ab 10 Jahren
ISBN 978-3-907238-00-4
19,90 Euro

Yeshi hat Milchkaffee farbene Haut, Hunderte schwarzer kleiner Zöpfchen auf dem Kopf und stammt aus Äthiopien. Von dort hat sie auch ihren „Tanzfuß“ mitgebracht, was bedeutet, dass sie keine Sekunde stillsitzen kann und immer wild herumwirbelt. Am liebsten in den pfefferminzgrünen Turnschuhen mit den bunten Schmetterlingen und pinken Schnürsenkeln.

Yeshi ist schon als kleines Baby adoptiert worden und in die Schweiz gezogen, deshalb spricht sie Schwyzerdütsch und ein kleines bisschen Amharisch, was die Leute in Äthiopien sprechen.

Yeshi ist pfiffig, aber mit den Wörtern und den Zahlen hat sie es nicht so. Sie verdreht sie und kann sie sich einfach nicht merken. Das ist in der Schule ziemlich hinderlich, aber noch blöder ist es, wenn ihre Klassenkameraden sie „Kackbohne“  nennen und mit ihr „ wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ spielen wollen. Yeshi möchte einfach nur Yeshi sein, ein Kind wie alle andern,  und sie möchte Freunde haben.

Das ist aber nicht so leicht, wenn man grade umgezogen ist– von einem herrlichen Baumhaus mit 3 Ponys in eine klitzekleine Wohnung in der Stadt. Und wenn sich dann noch die Eltern trennen und der Papa nach London zieht, dann ist die Welt ganz schön in Unordnung.

An solch einem „in Unordnung geratenen Tag“ passieren die merkwürdigsten Dinge. Yeshi wird von einer Flüchtlingsfamilie entführt ( denkt ihre Mama, aber das stimmt nicht), der verloren gegangene Mops einer alten Dame schließt sich ihr an, sie bekommt Ärger mit einer Straßenbahnkontrolleurin und lässt sich ein Tattoo stechen ( nur ein ganz kleines). Sie macht Straßenmusik mit ihrem schwedischen Klassenkameraden Lian und freundet sich mit der fiesen Doro an, die vielleicht gar nicht so fies ist … und dann kommt auch noch ihr Papa aus London zurück, wie soll ein kleines Mädchen so viel Chaos verkraften?

Doch die wichtigere Frage ist: Wie kann ein kleines Mädchen so viel Chaos überhaupt anrichten? Wie kann sie so gedankenlos sein und ständig in neue Schwierigkeiten rutschen? Eigentlich sollte man das am Ende der Grundschulzeit besser wissen. Aber Yeshi ist anders, und besonders. Und so kann sie nicht die Uhr lesen und auch nicht die Straßenschilder, so macht sie sich wenig Gedanken, was ihre Mama wohl denkt, wenn sie stundenlang bis in die tiefe Nacht hinein allein unterwegs ist. Das ist ein bisschen schwer nachzuvollziehen, ein solches Mädchen habe ich bisher noch nie kennengelernt.

Und deshalb fällt es mir nicht leicht, Yeshi wirklich zu verstehen. Sie kommt mir nicht richtig nah, weil ich kaum etwas über ihre tieferen Gefühle erzählt bekomme und das ist schade.

Zwar finde ich die Botschaft des Buches „Es ist  egal, welche Hautfarbe ein Kind hat, es ist einfach ein Kind“, bzw. „ einfach Yeshi“, wichtig und gut. Aber es ist mir ein bisschen viel „Botschaft“ in diesem Buch und Yeshi geht mir ein bisschen zu naiv mit diesem schwierigen Thema ( Mobbing wegen dunkler Hautfarbe) um. Sie reagiert für meine Begriffe nicht altersgerecht.

Unabhängig davon hat mir das Buch trotz allem Spaß gemacht zu lesen, und das liegt an den völlig absurden und abgedrehten Ideen der Autorin und den unerwarteten Wendungen, die die Geschichte immer wieder nimmt. Auch die kreativen Wortschöpfungen, (z.B. glitzerluftig oder  Glibberschlabberqualle) die die Autorin erfindet, gefallen mir gut und so kann ich das Buch als das nehmen, was es ist. Eine leichte Lektüre über eine kleine verrückte Nudel, die ohne viel nachzudenken durchs Leben wirbelt und dabei ziemlich viel Chaos anrichtet. Sehr in die Tiefe geht die Geschichte für meine Begriffe leider nicht und verpasst damit eine wichtige Chance. Und der Preis lässt einen leider auch staunen.

Monika H.

Eine Antwort auf „Einfach Yeshi“

  1. Liebe Monika H. Vielen DANK für Ihre Rezension, ausführlich und fundiert, ich fühle mich ernst genommen, das ist nicht selbstverständlich. Ich würde gerne etwas zu Ihren Kritikpunkten sagen, wenn Sie erlauben. Die Geschichte ist konsequent aus der Sicht einer Neunjährigen erzählt, die sich daran gewöhnt hat, dass die Kinder ihre Hautfarbe schon mal zum Gegenstand von Beschimpfungen machen. An der Buchtaufe habe ich die Kinder gefragt, warum denkt ihr geht Yeshi mit? Ein dunkelhäutiges Mädchen gab zur Antwort: wegen Äthiopien. Da wusste ich, dass mir ein Momentum gelungen ist. Yeshi muss da einfach mitgehen, obwohl sie ihre Herzeltern über alles liebt und eigentlich die ganze Zeit nur versucht, wieder heimzukommen. Das können viele Menschen hier nicht verstehen. Herzliche Grüsse Gabriela Kasperski

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